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EnEV 2016: Energieeffizienz durch intelligente Gebäude

Am 1. Januar 2016 ist die nächste Stufe der Energieeinsparverordnung (EnEV) in Kraft getreten, die eine weitere Verschärfung energetischer Standards vorsieht. Parallel dazu gewinnt beim Endkunden das Thema Energiesparen an Bedeutung. Für E-Betriebe, die über entsprechende Schlüsselqualifikationen verfügen, entsteht so einer der wichtigsten Leitmärkte der Zukunft.

Stefan Petri, Gebäudeenergieberater (HWK), Fachverband Elektro- und Informationstechnik Hessen/Rheinland-Pfalz (FEHR).

Stefan Petri, Gebäudeenergieberater (HWK), Fachverband Elektro- und Informationstechnik Hessen/Rheinland-Pfalz (FEHR).

Am 1. Januar 2016 ist die nächste Stufe der Energieeinsparverordnung (EnEV) in Kraft getreten, die eine weitere Verschärfung energetischer Standards vorsieht. Parallel dazu gewinnt beim Endkunden das Thema Energiesparen an Bedeutung. Für E-Betriebe, die über entsprechende Schlüsselqualifikationen verfügen, entsteht so einer der wichtigsten Leitmärkte der Zukunft.

Die erste Ölkrise im Jahr 1973 und die damit einhergehende Angst vor steigenden Energiepreisen führten auf privater wie auch politischer Ebene zu einem ersten Umdenken. Als Reaktion darauf wurde 1977 in Deutschland die so genannte »Wärmeschutzverordnung« (WärmeschutzV) eingeführt, welche energetische Mindeststandards für den Neubau von Gebäuden definierte. Sie wurde in den Jahren 1982 und 1995 jeweils novelliert. Am 1. Februar 2002 erfolgte die Ablösung durch die neu geschaffene Energieeinsparverordnung (EnEV), welche die Wärmeschutzverordnung und die Heizungsanlagenverordnung (HeizAnlV) zu einem Vorschriftenwerk vereinte.

Ganzheitlicher Ansatz
Mit Einführung der EnEV wurde ein Paradigmenwechsel geschaffen, indem ein ganzheitlicher ingenieursmäßiger Betrachtungsansatz für das Gebäude als energetisches Gesamtsystem gewählt wurde. Seitdem wird auf Basis der thermischen Hülle des Gebäudes und der im Gebäude verbauten Anlagentechnik der Endenergiebedarf QE sowie der Primärenergiebedarf QP berechnet und deren Werte in der Einheit kWh/(m2∙a) zum Vergleichen von Gebäuden herangezogen. Mit der EnEV 2007 wurden die Energieausweise für bestehende Gebäude eingeführt, welche je nach deren Ausgestaltung den berechneten Energiebedarf oder den gewichteten Energieverbrauch übersichtlich und endkundengerecht darstellen.

Für die thermische Hülle, bestehend aus den Außenwänden, dem Dach, der Bodenplatte sowie den Fenstern und Außentüren, sind möglichst geringe Transmissionwärmeverluste das energetische Qualitätskriterium. Im Bereich der Anlagentechnik für die Heizung, Lüftung und Warmwasserbereitung geht es vordergründig um die Substituierung fossiler Energieträger durch regenerative und die Minimierung der Anlagenverluste. Heute kommen die Vorgaben zu den immer weiter fortschreitenden energetischen Anforderungen vonseiten der EU und werden dann sukzessive in nationales Recht umgesetzt.
Seit 1. Januar 2016 greift die zweite Stufe der EnEV 2014 mit strengeren Standards für den Neubau. Der höchstzulässige Jahresbedarf an Primärenergie wird darin um weitere 25 Prozent, die maximal erlaubten Transmissionwärmeverluste der Gebäudehülle um 20 Prozent gesenkt. Hiermit folgt Deutschland den europäischen Vorgaben auf dem Weg zu dem ab 2021 für alle Neubauten in Europa geforderten Niedrigstenergiegebäude-Standard. Politisches Fernziel der EU ist nach wie vor ein klimaneutraler Gebäudebestand bis zum Jahr 2050.

In älteren und unsanierten Wohngebäuden verschlingen vor allem die Heizungsanlage und die Warmwasserbereitung den Großteil der Energie. Ein sehr viel geringerer prozentualer Anteil entfällt auf Kühlen, Gefrieren, Waschen, Kochen und die Beleuchtung. Aus diesem Grund lag der primäre Fokus der letzten 10 Jahre auf der Verbesserung der Gebäudehülle und der Heizungsanlagentechnik beim Neubau und der Sanierung. Insbesondere in Deutschland ist der Anteil an älteren Wohngebäuden hoch. Durch Förderprogramme von der KfW wie »Energieeffizient Sanieren« wird versucht, die Sanierungsrate in Deutschland voranzutreiben.