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Projektbericht Sicherheitstechnik: Motorradmuseum in Schloss Augustusburg

Seit über 400 Jahren thront Schloss Augustusburg 516 Meter über dem Zschopautal im Süden Sachsens. Ursprünglich als Jagd- und Lustschloss errichtet, hat der Gebäudekomplex einige Veränderungen erlebt. Mittlerweile steht das Schloss mit unter Denkmalschutz. Drinnen ist nicht nur ein Schlossmuseum, sondern auch ein bedeutendes Motorradmuseum eingerichtet.

Schloss Augustusburg Bildquelle: © Honeywell
Schloss Augustusburg

Das Motorradmuseum  nennt eine der umfangreichsten Zwei­radsammlungen Europas sein Eigen. Auf einer Ausstellungsfläche von 1200 Quadratmetern sind 175 Exponate ausgestellt, die die technische Entwicklung des Motorrads von 1885 bis heute veranschaulichen. Weltweit einzigartig ist die museale Darstellung der geschichtlichen Entwicklung der Zschopauer Motorradfirmen DKW, Auto Union und MZ. Zahlreiche Prototypen und Unikate historischer Fahrzeugtechnik zeichnen die Museumsbestände aus.

Der Auftrag
Im Zuge einer umfangreichen Sanierung bekam das Motorradmuseum auf dem Schlossgelände einen neuen Standort. Um die wertvollen Ausstellungsstücke der Motorradsammlung auch dort sicher geschützt zu wissen, entschied sich die Museumsverwaltung für die Installation einer neuen Einbruchmeldeanlage. Doch das ist leichter beschlossen als getan, denn das Motorradmuseum befindet sich nicht in einem Zweckbau auf grüner Wiese. Und anders als beispielsweise öffentliche Gebäude wie Schulen oder Verwaltungsgebäude, sind Museen häufig selbst Objekte, die unter Schutz stehen. Denkmalschutz aber stellt Installateure stets vor besondere Herausforderungen, so auch im Fall des Motorradmuseums. Restriktive Anforderungen an die Anordnung der Sicherheitselemente und eine enge Abstimmung mit dem Bauamt gaben diesem Projekt daher eine besondere Note.

Mit der Installation der Einbruchmeldeanlage in dem denkmalgeschützten Schloss beauftragte das Museum die Firma  PMS Sicherheitstechnik + Kommunikation, einen erfahrenen Errichter vor Ort. Der Betrieb mit je einem Büro in Chemnitz und Dresden hat 21 Jahre Erfahrung in der Sicherheitstechnik und kann auf viele Referenzobjekte auf dem Gebiet Kultureinrichtungen und Schlösser verweisen. Gute Voraussetzungen also, die Anforderungen des Museums zu erfüllen.

Die Lösung
PMS Sicherheitstechnik + Kommunikation ersetzte das bestehende System gegen eine MB100-Einbruchmeldezentrale von Honeywell. »Das bisherige System eines anderen Herstellers hatte sich im Alltagseinsatz als zu teuer und zu problembehaftet in Verbindung mit einem mangelhaften Service herausgestellt«, erläutert Ronny Mauersberger von der Errichterfirma. Wegen der Ausrichtung der MB-Serie auf den Bedarf im gewerblichen Bereich eignet sich die Einbruchmeldezentrale für die Installation mittlerer und großer Sicherungsanlagen und genügt damit auch den Anforderungen des Motorradmuseums. Die Einbruchmeldezentrale MB100 entspricht den neuesten Richtlinien der VdS-Sicherungsklasse C.

In Ergänzung zu der neuen Einbruchmeldezentrale griffen die Installateure auf bereits vorhandene Komponenten zurück. So konnten nach Anpassung einer Widerstandskombination bereits vorhandene Bewegungsmelder und Blockschlösser an die Anlage von Honeywell angeschlossen werden und auch das Kabelnetz fand erneut Gebrauch. Diese Wiederverwendung vorhandener Anlagenteile war zwar mit einigen anfänglichen Problemen verbunden, so ist eine Netzverwendung ohne vorhandene Netzpläne nicht einfach, dies hat aber letztlich geholfen, die Kosten niedrig zu halten. Aufgrund der teils großen Entfernungen zu den einzelnen Sicherungszonen erhält die Anlage ihre Spannungsversorgung dezentral aus mehreren Netzteilen.

Auf einer Ausstellungsfläche von 1200 Quadratmetern sind im Motorradmuseum 175 Exponate ausgestellt. Bildquelle: © Honeywell
Auf einer Ausstellungsfläche von 1200 Quadratmetern sind im Motorradmuseum 175 Exponate ausgestellt.

Anforderungen des Denkmalschutzes
Steht ein Gebäude wie Schloss Augustusburg unter Denkmalschutz, hat das elementare Auswirkungen auf das Sicherheitskonzept. Bei allen installierten Sicherheitselementen mussten Installateure und Museumsverwaltung stets die baulichen Besonderheiten der Räume des Motorradmuseums im Hinterkopf behalten. So durften Bewegungsmelder nur an bestimmten Stellen angebracht werden, um die Optik von Stuckelementen und Wandverzierungen nicht zu stören. Als besondere Herausforderung hat sich in diesem Zusammenhang der Einbau moderner Einbruchmeldetechnik in denkmalgeschützte Schlosstüren erwiesen. Die Türen haben historische Kastenschlösser, die, wie das restliche Erscheinungsbild der Türen, nicht verändert werden durften. Als Lösung wurde die Technik hinter ein speziell angefertigten Schließblechen versteckt, die in die Natursteintürrahmen eingearbeitet wurden.

Die installierte Sicherheitstechnik bedurfte einer Abnahme durch das Hochbauamt; eine genaue Planung und enge Abstimmung waren damit wesentlich für den reibungslosen Einbau der Alarmanlage in die denkmalgeschützten Räumlichkeiten.

Zusätzlich zur Erfüllung der Anforderungen des Denkmalschutzes war es erforderlich, die Installation der Sicherheitsanlage bei laufendem Museumsbetrieb durchzuführen. Eine Schließung des Motorradmuseums war wegen der daraus resultierenden finanziellen Einbußen keine Option. Ebenso durften die wertvollen Ausstellungsstücke zu keiner Zeit unbewacht bleiben – eine besondere Herausforderung für Ronny Mauersberger und seine Kollegen, die Anlage so schnell wie möglich zu installieren. Der Austausch der alten Anlage und die Anpassung der Bestandskomponenten an die neue Zentrale dauerte daher nur 14 Tage, die komplette Installation des Sicherheitssystems lief über drei Jahre hinweg und wurde 2011 fertiggestellt.

Mit der abgeschlossenen Installation der Einbruchmeldezentrale sind die ausgestellten Motorräder jetzt und in Zukunft sicher geschützt. Gleichzeitig fügen sich die gesicherten Museumsräume dank der überlegt angebrachten Sicherheitskomponenten unter Wahrung des Denkmalschutzes in das Gesamtbild des Schlosses Augustusburg ein. Der Einbau bei laufendem Museumsbetrieb hat dafür gesorgt, dass eine mit hohen finanziellen Einbußen verbundene Schließung des Museums vermieden werden konnte. Das speziell auf Museen ausgerichtete Sicherheitskonzept und die entsprechende Umsetzung erlaubt dem Motorradmuseum Augustusburg den Schutz der Ausstellungsobjekte, ohne Besucher beim Museumsbesuch sichtbar einzuschränken.