FVLR: Im Vergleich: Rauchabzug und Rauchableitung

Was unterscheidet einen Rauchabzug von einer Rauchableitung? Auf den ersten Blick ist man geneigt zu sagen: Nichts! Weit gefehlt, über die Unterschiede informiert der Fachverband Tageslicht und Rauchschutz e.V.

Durch den Rauchabzug können drei Schutzziele sichergestellt werden Bildquelle: © FVLR

Durch den Rauchabzug können mehrere Schutzziele sichergestellt werden.

Im Brandfall entstehen Personen- und Sachschäden meistens durch den aufkommenden Brandrauch. Personen, die sich in dem Gebäude befinden, Produktionsanlagen sowie Rohprodukte und Fertigwaren können zu Schaden kommen. Um den Brandrauch im Gebäude schnell zu reduzieren, sind anlagentechnische Maßnahmen, wie Rauchabzüge oder Öffnungen für Rauchableitungen, für den Brandschutz unverzichtbar. Obwohl hinter beiden Begriffen oft die gleiche technische Einrichtung vermutet wird, bezeichnen sie etwas völlig Verschiedenes.

Das Wissen über Rauchabzüge und Öffnungen für die Rauchableitung ist erforderlich, um gesetzliche Vorschriften und Vorgaben einzuhalten. Auch eine eigene Risikoabschätzung, die über das bauordnungsrechtliche Schutzziel hinausgeht, wird so ermöglicht. Natürliche Rauch- und Wärmeabzugsgeräte (NRWG) sind in Verbindung mit Lichtkuppeln und Jalousien oder Klappen für Lichtbänder oder Glasflächen einsetzbar. Im Brandfall öffnen sich NRWG üblicherweise automatisch, sodass der Brandrauch abziehen kann. Sie können aber auch fernbedient aktiviert werden. Ihre grundsätzliche Eignung müssen NRWG nach DIN EN 12101-2 nachweisen. Sie sind in regelmäßigen Abständen, mindestens einmal jährlich, durch eine Fachkraft zu prüfen. Durch die umfangreichen Eignungsnachweise nach der DIN EN 12 101-2 qualifizieren sich die Geräte als ernstzunehmende Sicherheitseinrichtungen, die auch als Kompensationsmaßnahme bei eventuellen Vorliegen baulicher Abweichungen und Besonderheiten zum Einsatz kommen.

Durch den Rauchabzug können drei Schutzziele sichergestellt werden: Unterstützung beim Personenschutz, wozu Selbst- und Fremdrettung gehören, ein gezielter Löscheinsatz der Feuerwehr und die Begrenzung der Rauchausbreitung. Dies geschieht, indem sich im Brandfall eine raucharme Schicht mit vorhersagbarer Höhe bildet. So kann eine gesicherte Vorhersage zur Ausbreitung von sicht- und atmungsbehindernden Rauchgasen getroffen werden. Durch die praxisgerechten technischen Anforderungen sowie regelmäßige Überprüfungen und Wartungen wird eine hohe Funktionssicherheit gewährleistet.

Öffnungen für die Rauchableitung sollen die Feuerwehr im Bedarfsfall bei ihren Löscharbeiten unterstützen. Lüftbare Lichtkuppeln, Lichtbandklappen, Fenster und Flügel in Glasdächern bilden in Verbindungen mit elektronischen oder pneumatischen Antrieben Öffnungen zur Rauchableitung. Eine raucharme Schicht ist nicht geplant und kann auch nicht sichergestellt werden. Die Räume verrauchen trotz Öffnungen zur Rauchableitung meist in kurzer Zeit vollständig. Weder die Ausbreitung von Rauchgasen noch die thermische Entlastung der Gebäudestruktur sind sicher zu beurteilen.

Durch die fehlenden technischen Anforderungen und die nicht erforderlichen regelmäßigen Überprüfungen entsteht eine geringe Funktionssicherheit bei Rauchableitungen. Um Personen- und Sachschäden zu verhindern, sollten qualifizierte Rauchabzüge eingesetzt werden. Dies berücksichtigen Versicherer auch bei der Risikobewertung.