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Bestandsgebäude: Nachrüsten mit KNX

Ein Bestandsgebäude mit KNX nachrüsten? Das erscheint zunächst als Widerspruch. Schließlich ist es oft keine Option, Wände zu öffnen, um Busleitungen zu verlegen. Eine detaillierte Analyse des Bestands kann aber interessante Lösungen aufzeigen.

Aufmacherbild Bestandsgebäude Bildquelle: © Pixabay

Vor allem in Bürogebäuden sind die Kabelkanäle häufig leicht zugänglich und eröffnen so neue Möglichkeiten für die Nachrüstung.

Denn oftmals können wichtige Installationspunkte in Bestandsgebäuden mit vertretbarem Aufwand erreicht werden. Vor allem in Bürogebäuden sind häufig Kabelkanäle vorhanden, die leicht zugänglich sind. Zudem bietet KNX auch für die drahtlose Anbindung Lösungen.

Neben den Schwierigkeiten, die Busleitung zu verlegen, ist oft auch der Platz in den Verteilerschränken sehr knapp. Für Verteiler mit besonders wenig Platz bietet die Weinzierl Engineering GmbH eine neue, kompakte Serie an IO-Geräten für die Hutschiene an. Alle Geräte der »KNX Compact IO Serie« weisen eine Baugröße von nur einer TE auf. Neben Schaltaktoren sind auch Jalousieaktoren und Binäreingänge verfügbar. Verschiedene Dimmer kommen bis Mitte 2018 hinzu.

 

»Stromstoßschalter« mit KNX

Ein besonderer Problemlöser aus der neuen IO-Serie ist der »KNX IO 511«. Das Gerät bietet einen Schaltausgang und zwei Binäreingänge für 12..230 V. Das Gerät setzt da an, wo schon eine gewisse Infrastruktur vorliegt. So sind in sehr vielen Installationen für die Beleuchtung von Fluren und Treppenhäusern Stromstoßschalter in der Verteilung vorhanden. Diese sind in der Regel mit einer Breite von einer TE auf der Hutschiene montiert.

Der KNX IO 511 von Weinzierl eignet sich für einen Eins-zu-eins-Ersatz als KNX-fähige Alternative. Mit einer Baugröße von ebenfalls nur einer TE kann er gegen alte Stromstoßschalter ausgewechselt werden. Der KNX IO 511 ist ab Werk so programmiert, dass er die Funktion des Stromstoßschalters ohne weitere Programmierung übernimmt. Dazu wird der vorhandene Tasterkreis an den Eingang 1 und der Leuchtenkreis an den Relaisausgang angeschlossen. Der zweite Eingang kann optional mit der Phase L verbunden werden, um den Einschaltzeitpunkt mit dem Nulldurchgang zu synchronisieren. Dies erhöht die Lebensdauer des Relais vor allem bei Leuchtmitteln mit LEDs.

Der Installateur kann das Gerät einbauen und ohne Programmierung in Betrieb nehmen. Die KNX-Einbindung und die Realisierung von entsprechenden Funktionen oder die Internetanbindung können später erfolgen.


Erweiterung mit KNX RF

Ist der KNX-Bus erst einmal – wenn auch nur in Teilbereichen – verfügbar, kann dieser auch drahtlos um wichtige Funktionen erweitert werden. So bietet der KNX-Standard mit »KNX RF« die Möglichkeit, drahtlos zu kommunizieren. Der wesentliche Vorteil liegt darin, dass die KNX-RF-Geräte ebenso mit der ETS programmiert werden wie die Geräte am Bus. Die Anbindung der Funkkomponenten an den Bus erfolgt über einen Medienkoppler wie den »KNX RF/TP Koppler 672« von Weinzierl.

Die Integration von KNX RF in die ETS erfolgte mit dem Erscheinen der ETS5, ist also immer noch relativ neu. So ist auch das Geräteangebot der Hersteller noch überschaubar, entwickelt sich inzwischen aber deutlich.

 

Große Geräteauswahl mit EnOcean

Eine Alternative mit relativ vielen verfügbaren Produkten ist der EnOcean-Standard. Er zeichnet sich vor allem durch batterielose Sensoren aus. Also Geräte, die die erforderliche Energie aus der Umgebung »ernten«. EnOcean-Taster erzeugen die Energie beim Drücken, Raumbediengeräte versorgen sich mit kleinen Photozellen.
Mittlerweile hat EnOcean als Funkstandard eine so große Bedeutung entwickelt, dass auch zahlreiche Komponenten mit Batterien oder mit Netzanschluss entwickelt wurden. So sind inzwischen auch diverse Aktoren von verschiedenen Herstellern verfügbar.

Für die Kombination von KNX TP- und EnOcean-Funk bietet Weinzierl bidirektionale Gateways, die auch die verschlüsselte Variante »EnOcean Security« unterstützen. Das »KNX ENO 626« bietet acht Kanäle und passt in eine UP-Dose. Das »KNX ENO 636« mit einem formschönen AP-Gehäuse bietet 32 Kanäle und besitzt ein beleuchtetes Display für die schnelle und einfache Inbetriebnahme. Beide Geräte unterstützen über hundert EnOcean-Geräteprofile (EnOcean Equipment Profiles, EEPs) und werden über den KNX-Bus versorgt.

 

Porträtfoto: Thomas Weinzierl, Geschäftsführer, Weinzierl Engineering GmbH Bildquelle: © WEINZIERL ENGINEERING GmbH

Thomas Weinzierl ist Geschäftsführer der Weinzierl Engineering GmbH.

Immobilien aufwerten

Aktuell sind die Auftragsbücher der meisten Installationsbetriebe mehr als gut gefüllt. Die Situation am Markt kann sich aber schnell wieder ändern. Dann bietet die Nachrüstung von Bestandsgebäuden ein erhebliches Potenzial für zusätzliche Aufträge. Inzwischen gibt es auch zahlreiche Bestandsgebäude mit KNX. Der installierte Funktionsumfang entspricht aber oft nicht mehr den heutigen Möglichkeiten. Auch diese Gebäude können mit Funkkomponenten – sei es mit KNX RF oder EnOcean – sicherer und komfortabler gemacht werden. In jedem Fall erfährt die Immobilie eine deutliche Aufwertung.