Interview: Energiemanagement als Verkaufsargument

Energiemanagementsysteme steuern die Energieflüsse und schalten die angeschlossenen Verbraucher so, dass möglichst viel Sonnenstrom im eigenen Energiesystem genutzt wird. Welche Vorteile ein Energiemanager für Installateure bietet, erklärt Solarwatt-Produktmanager Stefan Peeck im Interview.

Porträtfoto: Stefan Peeck, Produktmanager, Solarwatt Bildquelle: © SOLARWATT

Solarwatt-Produktmanager Stefan Peeck: »Gerade auf der Seite der Installateure ist die Reise noch längst nicht zu Ende.«

Herr Peeck, wozu benötigen Nutzer einer eigenen Photovoltaik-Anlage eigentlich ein Energiemanagementsystem?
Das Hauptargument für eine Photovoltaik-Anlage ist die Unabhängigkeit von den Energieversorgern – das wird uns von Kundenseite immer wieder bestätigt. Für die Nutzer ist es aber gar nicht so einfach, diese gewünschte Unabhängigkeit selbst zu erreichen. Heutzutage laufen immer mehr Verbraucher, die früher noch mit fossilen Energiequellen betrieben wurden, wie eine Gas-oder Ölheizung, ebenfalls mit Strom. An dieser Stelle kommt das Energiemanagement ins Spiel: Ein Energiemanager steuert die Stromerzeugung und den Verbrauch im Haushalt so, dass ein Großteil der erzeugten Energie aus der PV-Anlage auch selbst verbraucht wird. Somit muss nur wenig Strom von den Netzbetreibern zugekauft werden.

Welche Möglichkeiten bietet ein Energiemanager darüber hinaus?
Energiemanagement beginnt tatsächlich bereits mit dem Thema Transparenz: Wem bewusst ist, welche Geräte wie viel Strom verbrauchen, geht auch bewusster mit seinem Energieverbrauch um und erhöht seinen Autarkiegrad. Studien sprechen von 10 bis 20 Prozent, die der Eigenverbrauch dadurch steigen kann. Darüber hinaus können Geräte mit Zeitschaltuhren in das Energiemanagementsystem integriert werden – das ist dann der Smart-Home-Gedanke. Wenn der Energiemanager entsprechende Überschüsse registriert, werden Verbraucher wie eine Wärmepumpe geschaltet oder die Waschmaschine angeworfen. Bei mir privat sind das beispielsweise Luftentfeuchter, die nur laufen, wenn genug Solarstrom zur Verfügung steht.

Installation eines EnergyManagers von Solarwatt Bildquelle: © SOLARWATT

Ein Energiemanager kann für Installateure ein wichtiges Verkaufsargument sein.

Wie werden die Verbraucher in das Energiemanagementsystem integriert?
Das ist von Hersteller zu Hersteller verschieden: Manche setzen nur auf Funk, unser »EnergyManager« hat aber noch verschiedene Anschlüsse, über die Geräte in das System eingebunden werden können. Bei uns werden die Verbraucher auch über Plugs integriert, die dann ebenfalls per Funk mit der Basis kommunizieren. Dies ist eine simple Möglichkeit für den Nutzer, um sich ein individuelles System zusammenzustellen, ohne dass ein Elektriker ausrücken muss oder neue Geräte gebraucht werden.

Welche Vorteile bietet ein Energiemanager dem Installateur?
Ein Energiemanager kann ein wichtiges Verkaufsargument sein, denn er ist oftmals die Basis zur Erfüllung von Ansprüchen bei Förderungen – etwa durch die Fernsteuerbarkeit, die zur Verfügungstellung von Daten und die Abregelung der Anlage. Ein konkretes Beispiel ist die 70-Prozent-Regelung: In Deutschland gibt es eine Begrenzung, die besagt, dass nur 70 Prozent des selbst erzeugten Stroms eingespeist werden dürfen – wenn kein Großverbraucher wie ein Elektrofahrzeug oder eine Wärmepumpe zum Gesamtsystem gehören. Bei einer 10‑Kilowattpeak-Anlage, an der kein einziger Verbraucher angeschlossen ist, darf also per Gesetz nicht mehr als 7 kWp eingespeist werden. Ein Energiemanager sorgt dafür, dass die Grenze nicht überschritten wird, indem er aktiv Verbraucher einbindet. Oder er regelt die Anlage tatsächlich nur um den Prozentsatz herunter, der benötigt wird, dass man nicht über die geforderten 70 Prozent kommt. Dies ist im Urlaub eine bequeme Lösung, wenn für einige Zeit niemand zu Hause ist, der den Strom verbrauchen kann.

Kann der Installateur die Funktion der Anlage auch per Energiemanager überwachen?
Ja, das muss aber durch den Anlagenbetreiber bestätigt werden. Im Grunde gibt es dafür drei Zugriffsebenen: Zunächst besteht die Möglichkeit, dass der Installateur einfach die Basisdaten in seiner Übersicht führt. Er sieht dann die Live-Werte der Photovoltaik-Anlage, ohne dass er eingreift. Er kann aber erkennen, ob die Anlage fachgerecht läuft. Dann gibt es die zweite Ebene, bei der er auch tatsächlich in das Setup der Anlage hineinkommt. Und die dritte Ebene wäre, dass der Installateur Zugriff auf das Energiemanagement-Frontend hat. Dort hat er dann die gleichen Rechte wie der Endkunde. Die Entscheidung über die Zugriffsrechte liegt aber ausschließlich beim Endkunden.

Mittlerweile spielt das Thema Elektromobilität bei der Planung einer PV-Anlage immer häufiger eine Rolle.
Kunden, die sich für ein Photovoltaiksystem mit Speicher und Energiemanagement entscheiden, haben von Grund auf auch eine hohe Affinität zu den erneuerbaren Energien und den damit verbundenen Entwicklungen. Das merkt man dann auch in Hinblick auf die Bereitschaft, beispielsweise ein Elektrofahrzeug anzuschaffen. Viele Kunden haben mittlerweile auch schon erste Erfahrungen gemacht und besitzen schon ein E-Bike oder etwas Ähnliches. Auch in diesem Bereich gibt es interessante Förderprogramme, etwa wenn ein Speicher und eine Ladesäule in das Energiesystem integriert werden sollen.

Welche Anknüpfungspunkte liefert ein Energiemanagementsystem in Bezug auf die Elektromobilität?
Es gibt viele Anknüpfungspunkte, beispielsweise das sinnvolle Laden des Fahrzeugs. Eine durchschnittliche PV-Anlage hat eine Größe von sechs bis sieben Kilowattpeak. Der Ladezyklus eines normalen E-Autos startet bei einem dreiphasigen Anschluss allerdings erst bei 4,3 kW. Wenn das Elektrofahrzeug ohne Managementsystem geladen wird, muss die Anlage beinahe auf voller Kapazität laufen, damit nur grüner Ökostrom in das Auto läuft. Ist das nicht der Fall, wird der Rest per Netzstrom aufgefüllt. Das ist natürlich nicht Sinn der Sache. Ein Energiemanager gewährleistet, dass E-Fahrzeuge immer mit der höchstmöglichen Menge an Ökostrom geladen werden. Darüber hinaus lassen sich konkrete Zeitpunkte hinterlegen, wann ein Fahrzeug vollgeladen sein soll. Der Energiemanager bringt das mit den anderen Verbrauchern im Haushalt in Einklang.

Grafik: EnergyManager integriert Elektromobilitä Bildquelle: © SOLARWATT

Der »EnergyManager« gewährleistet, dass E-Fahrzeuge immer mit der höchstmöglichen Menge an Ökostrom geladen werden.

Lassen Sie uns einen Blick in die Zukunft werfen: Wo geht die Reise in Bezug auf das Energiemanagement hin?
Grundsätzlich wird es immer offener. Künftig wird es auch in diesem Bereich Standardisierungen geben, um Systeme untereinander zu verknüpfen, oder damit diese einfacher miteinander kommunizieren können. Gerade die Bereiche Smart Home und Energiemanagement werden immer weiter zusammenwachsen – allerdings ohne dass sie jeweils ihre Spezialität verlieren: Beim Energiemanagementsystem wird immer das Zusammenspiel mit den Solarmodulen und dem Energiespeicher im Mittelpunkt stehen. In dieses Metier werden die Smart-Home-Anbieter nicht vordringen können und wollen.

Welche Möglichkeiten ergeben sich zukünftig noch für den Installateur?
Gerade auf der Seite der Installateure ist die Reise noch längst nicht zu Ende. Wir arbeiten an Services, mit denen die Handwerker ihre Kunden noch mehr an sich binden, indem sie einen noch besseren Support leisten können. Das fällt dann in den Bereich »Predictive Maintenance«, also einer vorausschauenden Betreuung der Anlagen durch den Installateur. Darüber hinaus wird der Faktor Zeit in den kommenden Jahren auf Installateursseite eine immer größere Rolle spielen. Und ein Energiemanager lässt sich im besten Fall nicht nur einfach in Betrieb nehmen, sondern hilft auch dabei, Service zu bieten, ohne dass ein Techniker vor Ort sein und lange nach einer Fehlerursache suchen muss. Das System wird zukünftig auch bei der Systemauslegung helfen: Eine intelligente Verknüpfung vom Modul über das Management bis hin zum Speicher unterstützt dabei, komplexe Systeme einfach zu installieren – das ist ebenfalls ein wichtiger Punkt.

Herr Peeck, vielen Dank für das Gespräch.

 

Das Interview führte Jens Secker von der BrunoMedia GmbH.