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Praxistipp: 7 vermeidbare Fehler bei der Automatisierung von Gewerbegebäuden

Die sieben häufigsten Fehler bei der Umsetzung von Smart-Building-Projekten – und wie man sie vermeidet.

Aufmacherbild Bildquelle: © retrorocket/Shutterstock.com

Gewerbe-Immobilien der Zukunft denken mit. Die Automation und zentrale Bedienung der Gebäudetechnik von Zweckbauten steigert sowohl die Sicherheit als auch die Kosteneffizienz. Welcher Manager träumt nicht davon, dass sich vermeintliche Nebensächlichkeiten wie von selbst regeln und alle sich auf das Kerngeschäft konzentrieren können? Besonders dann, wenn sich die Arbeitsumgebung dabei sicherer und mitarbeiterfreundlicher gestalten lässt und die energetische Optimierung zusätzlich die Betriebskosten senkt.

Dank zahlreicher Möglichkeiten der Gebäudeautomatisierung sind diese Wünsche für TGA-Planer und Systemintegratoren auch kein Hexenwerk mehr. Doch um im laufenden Betrieb keine bösen Überraschungen zu erleben, ist es wichtig, die gewünschten Funktionen frühzeitig und lückenlos zu planen. Zudem sollte man sich für ein leistungsfähiges System entscheiden, das sich durch eine gleichbleibend hohe Qualität auszeichnet – vor allem im wirtschaftlichen Umfeld ist es entscheidend, dass die automatisierte Gebäudesteuerung verlässlich und reibungslos arbeitet.

 

1. Die Gebäudeautomatisierung ist nicht detailliert genug geplant

Damit aus dem Bauprojekt ein durchweg intelligentes Gewerbegebäude wird, ist es unerlässlich, Zeit in eine gründliche Planung zu investieren. Die Ziele des Betreibers sollten bis ins kleinste Detail abgeklärt werden. Schon ein falsch platzierter Schalter kann später verhängnisvolle Folgen haben. Auch muss der Planer abwägen, welche Art der Kommunikation die beste ist – via Funk oder doch mit dem klassischen Ethernet-Kabel beziehungsweise mit der Glasfaser? Übrigens: Bei der Vernetzung von Gebäuden gibt es oft gute Gründe für den Einsatz von Kabeln – beispielsweise ihre Zuverlässigkeit und die Option, Endgeräte über das Datenkabel auch mit Strom versorgen zu können.

Ein Dienstleister, der diese Fragen nicht frühzeitig mit dem Betreiber des Gebäudes klärt, läuft Gefahr, dass das Smart-Building-Konzept am Ende nicht aufgeht. Die »smarten« Ziele der Nutzer sollten TGA-Planer und Systemintegratoren deshalb von Anfang an abklären. Denn kleine Details, die man bei der Planung vergisst, können am Ende schnell Schwierigkeiten bereiten. Beispielsweise in einem Bürogebäude mit Innenhof: Wenn hier der Türkontakt in der Außentür fehlt – also das Gebäude nicht erkennt, dass jemand gerade nach draußen gegangen ist –, kann es passieren, dass dort bei starker Sonneneinstrahlung plötzlich die Jalousien herunterfahren und die Person ausgesperrt ist. Eine genaue Rücksprache mit dem Kunden und eine detaillierte Planung verhindern solche Fehlfunktionen – und man spart Zeit, Arbeitsaufwand und Geld.

 

2. Die Produkte sind nicht kompatibel

Bei der Produktauswahl gilt: Alles muss zusammenpassen. Entspricht ein Produkt nicht dem gleichen Standard wie die anderen Komponenten, etwa dem KNX-Standard, oder fehlen entsprechende Zertifizierungen, kann es sein, dass die Lösung mit den anderen eingesetzten Produkten im Gebäudekomplex nicht kompatibel ist. In so einem Fall wird ein Smart Building seinem Namen nicht gerecht. Denn intelligent ist es nur, wenn die Aktoren und Sensoren auch richtig miteinander kommunizieren.

Für eine funktionierende Kommunikation zwischen allen Komponenten müssen Systemintegratoren bei der Produktauswahl ein Auge auf die Standards haben. Empfehlenswert sind beispielsweise Geräte, die den KNX-Standard einhalten. Dies nicht zuletzt deshalb, weil mittlerweile mehr als 400 Unternehmen entsprechende Produkte liefern.

 

3. Die Gebäudeautomation ist mangelhaft dokumentiert

Je mehr Komponenten miteinander vernetzt sind, umso wichtiger wird es, den Überblick über die Komponenten zu behalten. Die beauftragte Elektrofirma muss daher einen detaillierten Installations- und Verdrahtungsplan erstellen, in dem alle Komponenten mit Bezeichnung und Platzierung vermerkt sind. Fehlt ein solcher Plan, lassen sich spätere Änderungs- oder Zusatzwünsche des Kunden nur schwer umsetzen. Schließlich ist es nicht garantiert, dass es die Firma, die die Installation durchgeführt hat, überhaupt noch gibt, wenn später der Wunsch nach Anpassungen auftaucht.

Ein umfangreiches Smart-Building-Netzwerk um neue Komponenten zu ergänzen, kann nur gelingen, wenn die Elektriker wissen, wo sich welche Leitungen befinden und wo sie mit neuen Sensoren und Aktoren nachrüsten können. Vor fünf bis zehn Jahren war es nicht ungewöhnlich, dass der Elektro-Dienstleister den Installations- und Verdrahtungsplan des Gebäudes behalten hat. Heute aber sollten die Betreiber selbst ihre KNX-Dokumentation und das ETS-Projekt sichern und aufbewahren. So wird das Anbringen eines neuen Schalters am Ende nicht zum Großprojekt.

 

4. Das Smart Building ist nicht flexibel genug für die Zukunft

So exakt die Planung am Anfang einer Gebäudeautomatisierung auch erfolgt: Die Unternehmensentwicklung bringt immer auch Veränderungen mit sich und führt zu neuen Anforderungen seitens des Gebäudebetreibers. Deshalb sollte das Smart Building so flexibel wie möglich sein. Gewerbe-Immobilien, die jetzt gebaut werden, sollen schließlich mehrere Jahrzehnte bestehen. Es gilt darum, genügend Leerrohre zu verlegen, damit ein späteres Nachlegen von Leitungen kein Mammutprojekt wird.

Während man früher im Schaltschrank zehn bis 20 Prozent Platz für neue Leitungen ließ, sollten es heute 30 bis 40 Prozent sein.  Wenn im Nachgang etwa zusätzliche Beleuchtungen eingebaut werden, muss man diese über den KNX-Bus bedienen können. Unabhängig davon, welche neuen Funktionen später noch integriert werden – in jedem Fall müsste der Systemintegrator neue Aktoren zum Gesamtsystem hinzufügen, mit entsprechendem Platzbedarf im Schaltschrank.

 

Arbeiter in der Industrie bedient ein Touchpanel. Bildquelle: © ivan_kislitsin/Shutterstock.com

Der Teufel steckt im Detail: Der reibungslose Ablauf von Produktionsprozessen kann schon durch Kleinigkeiten ins Wanken gebracht werden. Ein ungünstig platziertes Touchpanel etwa kann die Arbeit massiv behindern.

5. Der Partner ist nicht spezialisiert für ein Smart-Building-Projekt

Nicht nur die technischen Lösungen müssen Smart-Building-kompatibel sein, sondern auch die Partner, die am Projekt mitwirken. Im Idealfall hat die beauftragte Elektrofirma bereits Erfahrungen mit KNX im gewerblichen Umfeld und bringt auch die entsprechende Denkweise mit. Sollte das nicht der Fall sein, besteht immer die Gefahr, dass das Potenzial eines Smart Buildings nicht voll ausgeschöpft wird.

Eine Gebäudeautomatisierung umfasst nicht nur das Planen und Installieren von elektrischen Stationen. Es geht auch um das Gefühl und den Weitblick dafür, welche Funktionen möglich sind, wie einzelne Komponenten zusammenspielen und wie man die Flexibilität einer intelligenten Gewerbe-Immobilie sichert. So lässt sich der Strom, den eine Photovoltaikanlage produziert, flexibel und je nach Situation nutzen. Fahren die Mitarbeiter mit Elektrofahrzeugen, die aufgeladen werden müssen? Dann sollte der Strom in diesem Moment dorthin fließen. Nur wenn Wissen über sämtliche Möglichkeiten eines Smart Buildings vorhanden ist, wird der Betreiber am Ende auch von allen Vorteilen optimal profitieren können.

 

6. Die Touchpanels sind ungünstig platziert

Um das Potenzial eines Smart Buildings richtig auszuschöpfen, ist es wichtig, sich Gedanken über den Standort der Touchpanels zu machen. Dafür sollte man mit dem Betreiber zunächst alle Szenarien durchspielen und überlegen, wo ein Touchpanel am sinnvollsten ist.

Meist bietet sich die Installation dort an, wo die meisten Bedienaufgaben anfallen und verantwortliche Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz haben. Es kommt aber auch darauf an, welche Funktionen man nutzen möchte und von wo aus sie sich am besten steuern lassen. Werden am vorgesehenen Ort in der Regel Waren abgestellt? Ist hier eine Verunreinigung des Touchpanels zu erwarten? Will man über das Panel in der Verwaltung Videokonferenzen durchführen? Ein falsch platziertes Touchpanel wird am Ende zum Stressfaktor, wenn der Weg dorthin und die Bedienung so aufwendig sind, dass der Nutzen, den das Unternehmen daraus ziehen will, verloren geht.

 

7. Das Smart-Building-System ist nicht sicher

Ein komplett durchautomatisiertes Gewerbegebäude bietet Schutz, muss aber auch gut gesichert sein. Wenn ein Unbefugter Zugriff auf das System erlangt, kann das weitreichende Folgen haben. Zum einen sollte man nur per Passwort in das System kommen – vor allem wenn man Apps nutzt. Möglich ist es heute auch, das Gebäude nur per Fingerscan zu steuern. Aber nicht nur den unautorisierten virtuellen Zugang gilt es zu vermeiden, sondern auch den direkten Zugang zu den Leitungen. Sollte es einen Außenbereich (z.B. ein Kaltlager) geben, zu dem ein KNX-Kabel läuft – beispielsweise zu einem Lichtschalter –, dann lassen sich mit einem Linienkoppler nur befugte Telegramme erlauben.

Eine solche Einschränkung schützt das System vor unbefugten Zugriffen. Eine weitere Möglichkeit – insbesondere für kleinere Unternehmen – besteht darin, das Smart-Building-System über einen externen Server bei seinem Dienstleister zu sichern. Eine Portweiterleitung über den Firmenrouter fällt dabei weg. In diesem Fall nutzt man den sicheren, passwortgeschützten Zugang über den Firmenserver des Systemintegrators. Wenn ein Fremder versucht, auf das System zuzugreifen, erhält das Unternehmen eine Meldung.