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Smart Home: Mehr als Komfort und Sicherheit

Als im April 2001 das Fraunhofer-Institut in Duisburg ein Musterhaus für Hausautomation eröffnete, war das Thema noch Zukunftsmusik. Erst 2011 tauchte zum ersten Mal der Begriff Smart Home auf. Bis 2022 soll es 8 Millionen geben. Aber was unterscheidet diese vielen Smart-Home-Systeme eigentlich?

LCN sorgt für Komfort, Sicherheit und Energieeffizienz. Bildquelle: © ISSENDORFF KG

LCN sorgt für Komfort, Sicherheit und Energieeffizienz.

Die Anzahl an Herstellern, die für diese Technik geeignete Produkte anbieten, war zur Jahrtausendwende noch überschaubar. Inzwischen tummeln sich auf diesem Markt nicht nur Spezialisten für Gebäudeautomation mit mehr als 25 Jahren Erfahrung, sondern auch Energieerzeuger, Telefonanbieter, Hersteller von WLAN-Routern und sogar Discounter im Einzelhandel.

Noch immer tauchen sogar neue Anbieter in diesem Markt auf. Damit stellt sich für den Anwender die Frage, wie er sich in diesem mittlerweile kaum überschaubaren Markt orientieren soll. Denn oft ist dort, wo Smart Home angeboten wird, wenig Smartes zu finden.

 

Smart Home ist mehr als Schalten und Dimmen

Schaut man sich in Fachzeitungen oder auch Verbrauchermagazinen um, liegt der Schwerpunkt im Smart Home zunächst einmal auf Komfort. Verständlich ist das deshalb, weil die Automation bei Licht und Beschattung klar sichtbar und einfach zu bewerkstelligen ist. Man sieht direkt, dass sich etwas bewegt. Was in der Heizung passiert oder in der Lüftung, bleibt dagegen unsichtbar.

 

Ein integriertes System ist sinnvoller als viele Einzellösungen. Bildquelle: © ISSENDORFF KG

Ein integriertes System ist sinnvoller als viele Einzellösungen.

Dabei sind diese letzten beiden Funktionen gerade diejenigen, die für Energieeffizienz und auch Komfort wesentlich sind. So bieten manche Hersteller lediglich Komponenten als Smart Home an, die Licht schalten oder dimmen können, eventuell noch Rollladen oder Jalousien öffnen und schließen. Dazu Sensoren für Licht oder Bewegung, um überhaupt eine Automation zu haben.

Nicht ohne Grund haben diese Lösungen einen Ruf als »Technikspielerei«. Der Nachteil dieser Lösungen ist der, dass Investitionen darin letztlich den Komfort bedienen. Komfort ist sicher ein Bedürfnis, aber im Vergleich zur Sicherheit kein primäres. Aber die Sicherheit im eigenen Zuhause gewinnt immer größere Bedeutung: 150.000 Wohnungseinbrüche in der Kriminalstatistik für Deutschland in 2016 sprechen für sich.

 

Schutz des Eigentums – von ganz einfach bis hochsicher. Bildquelle: © Issendorff KG

Ein breites Portfolio für alle Anwendungen bietet LCN.

Eine Lösung könnte sein, im Haus aktive Sicherheitsmaßnahmen zu installieren wie Bewegungsmelder, Glasbruchmelder sowie Tür- und Fensterkontakte bis hin zu Berührungssensoren am Wandtresor. In der Regel sind das jedoch Insellösungen, die keine abgestuften Sicherheitszonen wie die Bereiche Vorgarten, Garten, Hausfront und differenzierte Bereiche innerhalb des Hauses unterstützen. Auch ist nun wieder doppelt investiert worden – einmal in den Komfort und einmal in die Sicherheit. Zwei Insellösungen, die Einiges gemeinsam haben, aber getrennt existieren. Smart ist das nicht.

 

Energieeffizienz nicht vergessen

Auch der dritte Aspekt eines Smart Homes – die Energieeffizienz – kann mit einfachen Mitteln angegangen werden. Das begann schon früh mit Außenfühlern und Innenthermostaten für die Heizung. Im Haus wird jedoch nicht nur Energie fürs Heizen verbraucht. Die privaten Haushalte sind der zweitgrößte Stromverbraucher in Deutschland. Auf sie entfallen rund 26 Prozent des gesamten Netto-Stromverbrauchs. Davon hat die Beleuchtung einen Anteil von etwa 10 Prozent. Energieeffizienz wird jedoch nicht einfach durch Regeln der Beleuchtung erreicht, obwohl es ein erster Schritt ist. Stattdessen sind intelligente Lösungen für alle Bereiche zu suchen. Stichwort ist hier im professionellen wie im privaten Bereich die bedarfsgerechte Beleuchtung.

Das setzt eine Hausautomation voraus, die über Dimmen und Schalten von elektrischen Verbrauchern und das Regeln von Heizkörpern hinaus geht. Es muss dafür gesorgt werden, dass für sinnvolle Investitionen die Komponenten möglichst vielen Zielen dienen. Der Bewegungsmelder sollte dafür sorgen, dass man mit vollen Händen nicht nach dem Lichtschalter für den Keller suchen muss, dann soll er überwachen, dass bei Abwesenheit der Bewohner nicht durch die Kellertür eingebrochen wird. Er kann auch feststellen, dass schon seit längerer Zeit niemand mehr im Haus unterwegs war – und Licht und andere Verbraucher abschalten. Oder bei Menschen mit eingeschränkter Mobilität Alarm schlagen, weil der Person etwas zugestoßen sein könnte.

Solche integrierten und weitreichenden Lösungen für die Bereiche Komfort, Sicherheit und Energieffizienz benötigen eine andere Technik als in vielen Smart-Home-Lösungen angeboten wird, weil ein DSL-Router mit ein paar geschalteten Steckdosen kein Smart Home ist.

 

Smart heißt nicht simpel

Dass sich viele Smart-Home-Systeme mit einer integrierten, multifunktionalen Lösung schwertun, liegt überwiegend an zwei ihrer Eigenschaften. Einmal sind sie in der Regel Komponenten, die nur wenige Funktionen übernehmen, meist sogar nur eine, und die von einer zentralen Instanz gesteuert werden. Eine Kommunikation zwischen Komponenten ist, wenn überhaupt, nur indirekt über den zentralen Rechner möglich. Auf ihn konzentrieren sich nicht nur alle Funktionen – sein Ausfall legt vielmehr die gesamte Installation lahm. Gibt man jedoch den Einzelkomponenten des Systems die Intelligenz und lässt Kommunikation zwischen allen Beteiligten zu, wächst auch die Intelligenz des Gesamtsystems. Die Industrie 4.0, bei der sich alle intelligenten Teilsysteme über das Internet der Dinge untereinander verbinden, nutzt genau diese verteilte Intelligenz für hohe Integration, hohe Zuverlässigkeit und Flexibilität.

Der zweite Schwachpunkt vieler sogenannter Smart-Home-Systeme ist das Fortschreiben alter Strukturen: Herkömmliche Systeme trennen Sensoren und Aktoren. Eine Komponente (Sensor) nimmt Werte oder Ereignisse auf, ein Server veranlasst notwendige Maßnahmen durch eine andere Komponente (Aktor). Sinnvoller ist das Zusammenfassen von Sensoren und Aktoren in eine Komponente, was aber eine entsprechende Intelligenz und Flexibilität dieser Bausteine voraussetzt. Die Module müssen nicht nur kommunizieren können, sondern auch steuern und regeln, logische und arithmetische Funktionen beherrschen sowie mit jeder anderen Komponente Daten austauschen können. Die zentralisierte Struktur vieler Hausautomatisierungen entspricht eher dem behäbigen Großrechner der Siebziger Jahre als den heutigen modernen Netzwerken intelligenter und eigenständiger Mikrocomputer.