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Smart Home: Nachholbedarf in Sachen Privatsphäre

Smart Home ist Trend: Bis 2022 soll das Marktvolumen auf 5,52 Milliarden wachsen. Berichte über Sicherheitslecks und unzureichenden Datenschutz versetzen dem Hype aber Dämpfer. Wo liegen die Gefahren für Endverbraucher? Und was macht ein sicheres Smart Home aus?

Aufmacherbild Datenschutz Bildquelle: © Pixabay

Bereits 2015 ermittelte das Marktforschungsinstitut Dr. Grieger & Cie., dass drei von fünf Smart-Home-Nutzern sich um ihre Privatsphäre sorgen. Zu Recht, wie Datenschutz-Skandale der jüngsten Vergangenheit zeigen. Erst dieses Jahr wurde bekannt, dass Amazons intelligenter Lautsprecher eigenmächtig ein Gespräch eines Paares aufgenommen und an Dritte gesendet hat. Und kurz vor Verkaufsstart des »Google Home Mini« deckte man auf, dass einzelne Testgeräte ihre Besitzer dauerhaft belauscht und die Daten auf Servern gespeichert haben.

Bei dem Diskurs um Privatsphäre geht es nicht etwa darum, dass die Anwender etwas zu verbergen hätten. Das Problem ist vielmehr: Je mehr Unternehmen über eine bestimmte Person wissen, desto einfacher wird es, sie zu manipulieren. Es ist wie bei einem Puzzle – je mehr Teile, desto klarer das Bild.

Smarte Geräte, von der Lampe über Thermostate bis hin zur Musikanlage, übertragen kontinuierlich Daten in die Cloud. Eine voll vernetzte Wohnung produziert also ein sehr detailliertes Bild des Privatlebens ihrer Bewohner. Ein Umstand, der das Smart Home in ein effektives Überwachungsinstrument verwandelt. Wie die eingangs genannten Privatsphäre-Verstöße zeigen, haben die Unternehmen die aufgenommenen Nutzerdaten nicht angemessen verwaltet. Ein Problem, das gar nicht erst auftritt, wenn Daten nicht in die Cloud gesendet werden. Und tatsächlich benötigt nicht jedes Produkt für seine Funktionen eine Internet- oder Cloud-Anbindung.

 

Datenschutz als Kaufkriterium

Spätestens seit dem Cambridge-Analytica-Skandal, bei dem bekannt wurde, dass sich Donald Trumps Wahlkampf auf detaillierte Persönlichkeitsprofile von mehr als 87 Millionen Facebook-Nutzern stütze, ist das Thema Datenschutz auch bei der breiten Bevölkerung angekommen. Die umfassende mediale Auseinandersetzung mit der EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) hat das Bewusstsein und die Sensibilität für den Datenschutz noch einmal verstärkt. Endverbraucher möchten die Kontrolle über ihre Daten zurückerlangen. Das zeigen auch die Ergebnisse einer Studie, die das KI-Start-up Snips 2018 durchgeführt hat:

  • 92 Prozent aller Befragten wollen die Kontrolle darüber, wie ihre Daten genutzt werden.
  • Für 68 Prozent ist Privatsphäre wichtiger als Komfort.
  • Nur 30 Prozent der Befragten glauben, dass ihre bevorzugten Produktlieferanten genug tun, um ihre persönlichen Daten zu schützen.

Smart-Home-Nutzer verlangen also nach Datenschutz und Privatsphäre. Nur stehen viele Unternehmen allerdings erst am Anfang, den Schutz der Privatsphäre in ihr Produktdesign einzubeziehen. Sie haben letztlich auch keine Wahl. Nicht nur, dass die entsprechende Gesetzgebung hier eindeutig ist, sondern auch aus rein wirtschaftlichen Gründen.

Angenehm beleuchtetes Wohnzimmer Bildquelle: © Pixabay

Muss man für die Licht­steuerung Sprachbefehle in die Cloud senden?

So zeigt etwa eine Untersuchung der US-amerikanischen National Telecommunications and Information Administration (NTIA) aus dem Jahr 2016, dass 45 Prozent der Befragten aufgrund von Datenschutzbedenken aufhören, bestimmte Internetdienste zu nutzen. Das schließt auch sämtliche mit dem Internet verbundenen Produkte und Dienstleistungen ein. Datenschutz als Kaufkriterium bedeutet für Cloud-abhängige Smart-Home-Lösungen eine nur schwer zu bewältigende Herausforderung.

 

Bedrohung von innen

Dass Unternehmen unberechtigt Nutzerdaten sammeln und verwenden, ist nicht das einzige Problem. In der Praxis mangelt es vielen Smart-Home-Lösungen auch rein architektonisch an der nötigen Sicherheit. Sie nutzen offene Webinterfaces oder Funkstandards. So werden IoT-Geräte im Smart Home schnell zur Gefahrenquelle – und Hacker verschaffen sich Zugang zum Heimnetzwerk sowie den verbundenen Geräten. Ein gängiger Ratschlag lautet daher, dass Smart-Home-Geräte niemals im selben Netzwerk betrieben werden sollten wie PCs, Smartphones oder Tablets. So kann Unbefugten der Zugriff auf sensible Daten erschwert werden.

Smart-Home-Nutzer sollten sich also immer fragen: Wird für die Bedienung des Lichts oder die Einstellung der Temperatur wirklich ein Internetzugang benötigt? Ist es das Risiko wert, dass sensible Daten in die Cloud gesendet werden? Wird etwa die Datenübertragung von Licht und Heizung gehackt, können Kriminelle bereits allein aus diesen Informationen schließen, zu welchen Uhrzeiten die Bewohner gewöhnlich zu Hause sind.