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Der smarte Blog: Das Hausautoma­tionsprojekt:Teil I

In diesem und in weiteren Beiträgen schreibt Jürgen Wege über ein 2018/19 umgesetztes Hausautomationsprojekt im Rahmen des Umbaus eines älteren Häuschens, über die Ideen und Wünsche, über einen steinigen Weg, Widrigkeiten und viel Ernüchterung.

Erste Skizzen für Veränderungen, deutlich sichtbar die Einschränkungen beim Lichtkonzept. Versuch, die Leitungsführung mit wenig Eingriff vorzunehmen. Bildquelle: © Jürgen Wege

Erste Skizzen für Veränderungen, deutlich sichtbar die Einschränkungen beim Lichtkonzept. Versuch, die Leitungsführung mit wenig Eingriff vorzunehmen.


Ich hoffe, dass der eine oder andere Leser davon profitierten kann, vielleicht Lehren daraus zieht, jedenfalls erkennen kann, warum es Hausautomation bis heute nicht in die breite Masse geschafft hat und wir vom einfach zu implementierenden »Smart Living« noch Lichtjahre entfernt sind. Es wird um die konkreten Schritte bei der Auswahl von Produkten gehen. Um den Umsetzungsprozess, die vielen Hürden in einem, eigentlich einfach scheinenden, Projekt sowie die – subjektiven – Schwachstellen des ausgewählten Systems und der verfügbaren Produkte.
Zum Schluss werde ich neben dem Resümee auch einen Vergleich zu einem (theoretisch) auf KNX-Basis realisierten System wagen. So viel vorweg. Bei diesem Vergleich wird die KNX-basierte Lösung – für mich selbst erstaunlich – ganz gut abschneiden. Oder schneidet vielleicht das ausgewählte Produkt schlicht und einfach »zu schlecht« ab? Lassen Sie sich überraschen.
In diesem Teil geht es um die Ausgangssituation und die Rahmenbedingungen sowie die ersten Überlegungen und Schritte auf dem Weg zum und im Projekt.

Die Aufgabe
Ein älteres Haus – erbaut in den 50er-Jahren – soll renoviert, umgebaut und modernisiert werden, um den heutigen Lebens- und Komfortstandard gerecht zu werden. Das Haus ist ein Einfamilienhaus, circa 85 m2 pro Etage plus Keller: Das Dachgeschoss ist ein zusammenhängender, großer Raum.
Das Erdgeschoss (EG), bisher eher altbacken mit separierter Kleinküche, Esszimmer und abgetrenntem Wohnzimmer, soll zu einem einzigen großzügigen, lichtdurchfluteten Raum werden. Die zwei Räume im Obergeschoss (OG) sollen weitgehend erhalten bleiben. Aber ein geräumiges Bad wäre toll. Neue Fenster und eine größere Küche stehen ebenfalls auf der Wunschliste. Außerdem vielleicht eine Fußbodenheizung für Bad und Küche? Und: Neue Elektrik, na klar!
Im EG müssen ein paar Wände raus und Parkett-Fußboden im Wohnbereich verlegt werden. Für die größere Küche gilt es, einen Kunstgriff zu wagen: Ein Teil des bisherigen Gangs wird als Nische für einen deckenhohen Kühl- und Wandschrank in der Küche nutzbar gemacht, ohne dass dort Verkehrsfläche verloren geht, dafür wird das WC entsprechend umgeformt.
Nicht weniger anspruchsvoll wird es wohl im OG. Zwar bleibt dort der Schnitt und damit Wände, Decken und Treppen erhalten; aber zwei kleine Bäder werden zu einem großen zusammengelegt. Und da muss, der Steifigkeit geschuldet, mit massiven Doppel-T-Trägern gearbeitet werden. Immerhin gibt es scheinbar (noch) keine Vorschrift, die die Nutzung derselben als Kabel-trasse untersagt.

Bestand nutzen oder alles neu?
Um die Kosten im Zaum zu halten, wird viel überlegt: Können die Decken unangetastet bleiben? Welche Wände müssen ohnehin »beschädigt« werden und wie können diese für Steigleitungen, Versorgung neuer Steckdosen und Netzwerk sowie Hausautomation verwendet werden? Wohin mit den neuen Etagenverteilern? Und wie diese verbinden? Wie ein modernes Lichtkonzept entwickeln, wenn es nur ein Rohr in die Mitte des Raumes gibt und keine Dokumentation über das Skelett der Unterkonstruktion vorliegt? Wie kann die Elektrifizierung der Rollläden realisiert werden, die ja eigentlich nur über Schlitze in der Wand oder Decke erreichbar sind?
Im Gang von EG und OG muss die alte Decke ohnehin weg, aber im Wohnbereich sollen nur die für die temporäre Abfangung notwendigen 50 cm breiten Trassen rechts und links des Wanddurchbruchs freigelegt werden. Im OG werden die alten Decken unangetastet bleiben. Bekommen wir alle Steigleitungen, also Wasser, Heizung und Elektro inklusive Etagenverteiler, dort unter, wo die alten Küchen- und Toilettenwände abzureißen und an anderer Stelle aufzubauen sind? Oder muss alles in den Keller verlegt werden?
Gehörige Anstrengungen flossen in den Versuch, die Verkabelung nur an der (Mit-)Nutzung von ohnehin notwendigen Rohbauarbeiten auszurichten. Aber vieles wäre dann gar nicht oder nur mit hohem Aufwand umsetzbar gewesen. So war es gut, dass im Laufe des Projekts doch der Abriss der gesamten Deckenverkleidung im EG beschlossen wurde. Damit lösten sich auch die anfangs noch deutlichen Einschränkungen beim Beleuchtungskonzept in Wohlgefallen auf.