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Der smarte Blog: Der Auswahlprozess

Im letzten Teil habe ich darüber berichtet, welchen Aufwand wir zunächst betrieben haben in der Hoffnung, wenig in die Struktur des Hauses eingreifen zu müssen. Glücklicherweise musste dann, wegen anderer Gewerke, die Decke runter, was vieles erleichtert hat.

Vergleicht man die Systeme, so wird sichtbar: Comexio kann seine Herkunft aus dem industriellen Schaltschrankbau nicht verbergen: Drehstrom-geeignete 3er-Relais-Kombis. Und: Der bereits 2009 am Markt befindliche Webbrick aus UK stellt, was die Ein- u Bildquelle: © Jürgen Wege

Vergleicht man die Systeme, so wird sichtbar: Comexio kann seine Herkunft aus dem industriellen Schaltschrankbau nicht verbergen: Drehstrom-geeignete 3er-Relais-Kombis. Und: Der bereits 2009 am Markt befindliche Webbrick aus UK stellt, was die Ein- und Ausgänge angeht, die heutigen Systeme immer noch in den Schatten: 12+4 vs 8+4 digital/analoge Eingänge, 16 statt 4 Kleinspannungsausgänge, Relais- und Dimmerausgänge. Liebe Loxones und Comexios: Da würde noch was gehen!

Als Vorab-Ergebnis kann man festhalten: Der Abriss und Neuaufbau der Deckenverkleidung kostet einiges, aber das reduziert auch deutlich den Aufwand z.B. bei Elektrik und Heizung - sowohl im betroffenen Geschoß als auch darüber. Eine bessere Wärme- und Schallisolierung sind angenehme Nebeneffekte.

Bevor ich hier auf den Auswahlprozess eingehe, noch eine Bemerkung zum Thema Altbau-Umbau: Ein nicht zu unterschätzendes Thema ist der Platzmangel. Will man z.B. Etagenverteiler platzieren, um kurze Wege z.B. im Falle von Sicherungsausfällen zu haben, so können Platz und Größe schnell zur Herausforderungen werden. Bei der Altbausanierung speziell kleinerer Häuser lassen sich große Verteiler oft nur dann machen, wenn man die Etagenverteilung ad acta legt und im Keller irgendwo einen Platz schafft. Aber das zieht dann einerseits erheblich mehr Kabellängen nach sich und auch das Thema »Kabelkanal« wird schnell aufgeworfen - für möglicherweise 50 Kabel und mehr eine Stelle für Durchbruch und Kanal in einer der Wand zu finden, wo diese nicht stören, ist auch keine ganz leichte Aufgabe. Zumal dann auch gleich ein schlanker Unterverteiler Platz findet, der 4 oder 8 Hutschienen à 12 Einheiten beherbergen kann.
Eine weitere Herausforderung bei modernen Anlagen ist, dass nicht nur 230-V-Geräte und -Verkabelung zum Einsatz kommen, sondern parallel dazu eben auch viele CAT-Kabel gepatcht und an die Eingänge der Hausautomation geführt werden müssen. Dabei sind Sicherheitsabstände einzuhalten. Hier hat naturgemäß die KNX-Installation einen Vorteil. Im Falle des vorliegenden Projekts haben wir uns für kleine Etagenverteiler übereinander entschieden, die, weil speziell im OG deutlich exponiert, als Bilderhalter genutzt werden. Im Kellerabgang des EG, in dem mehr Platz war und der auch mehr Geräte und Sicherungen aufnehmen musste, wurde mit einer gemeinsamen Türe gearbeitet. In beiden Fällen wurden die Bereiche darüber und dazwischen für die CAT- bzw. PELV Elemente genutzt.
Vor allem das Zusammenführen und Patchen der von den Taststellen kommenden CAT-Kabel stellte eine Herausforderung dar. Die Aufgabe bestand darin, die Kabel – vorliegend waren es allein im EG 25 CAT-Kabel für Domotik und weitere 20 für das Netzwerk – gut dokumentierbar zu befestigen. Ferner sollte die Lösung eine leicht nachvollziehbare Verbindung der Litzen zwischen einzelnen Kabeln (bei gleicher Funktion) mit den Eingängen der Hausautomation (nachfolgend DI) ermöglichen. Und schließlich sollte eine zukünftige Nutzung des Kabels als Netzwerk offen gehalten sein. Das Verbinden kann entweder dadurch gemacht werden, dass der DI mehrere Anschlüsse für Litzen hat (was kein Produkt am Markt anbietet) oder eben von Tastpunkt zu Tastpunkt und schließlich zum DI »durchgeschleift« wird. In letzterem Fall braucht’s eben – bis auf das Kabel vom ersten Taster – immer drei Kontaktpunkte: Vom aktuellen Tastpunkt, vom vorherigen Tastpunkt und hin zum nächsten Tastpunkt oder, am Ende der Verbindung, zum DI. Wirklich universell nutzbare, platzsparende Standard-Technik für diesen Zweck konnten wir nicht finden. Als Option standen (unverhältnis­mäßig teure) Tannenbaum-Mehrstock-Reihenklemmen, ein 19" Rack-Einschub für Telekom-Verteiler und eine selbst »gebastelte« Lösung mit Schneidklemmen für Telekom-Verteiler zur Auswahl.  Da auch die Mehrstock-Reihenklemmen nur zwei Kontaktpunkte je Kanal aufweisen, fiel nach kurzer Überlegung die Entscheidung auf die selbstgebaute Lösung, bestehend aus einem Brett und eine darauf geklebte Matrix aus 20-poligen Doppel-Schneidklemmen. Angenehmer Nebeneffekt dieser Lösung war, dass sie als Abdeckung über die Kanäle der 230-V-Schicht in eine sonst nicht nutzbare Nische zwischen Decke und Verteilung platziert werden konnte und so wertvollen Platz in der Unterverteilung sparte.