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Brandschutz: Rauchwarnmelder in Hochhäusern

Für die wirksame Brandfrüherkennung in den Wohneinheiten von Hochhäusern sehen die Hochhaus-Richtlinien der Länder Rauchwarnmelder mit Netzstromversorgung vor. Welche Regelungen wann und warum gelten, hat Thorsten Teichert, Business Development Manager bei Ei Electronics, für uns zusammengefasst.

Hochhaus Bildquelle: © fotolia.com/Tiberius Gracchus

Hochhäuser weisen bei Ausbruch eines Feuers aufgrund ihrer Bauart im Vergleich zu anderen Gebäuden multiple Risiken auf. Eine Vielzahl anwesender Personen, zahlreiche Geschosse auf kleiner Grundfläche sowie lange Fluchtwege aus den obersten Stockwerken stellen hohe Anforderungen an den vorbeugenden Brandschutz. Eine wirksame Brandfrüherkennung und die Alarmierung der Bewohner spielen eine zentrale Rolle in den Brandschutzkonzepten, damit sich die Menschen aus dem Gebäude rechtzeitig in Sicherheit bringen können.

Brandfrüherkennung und Alarmierung

Aus diesem Grund sind in den Hochhaus-Richtlinien automatische Brandmeldeanlagen (BMA) mit lokaler Alarmierung und Alarmweiterleitung an die Feuerwehr vorgeschrieben, die Räume, Installationsschächte und Hohlräume im Vollschutz überwachen. In den Wohnungen genügen Rauchwarnmelder mit 230-V-Netzanschluss. So sind gleichzeitig auch die Vorschriften der Länder über die Ausstattung von Wohnungen mit Rauchwarnmeldern gemäß DIN 14676 berücksichtigt.

 

Rechtliche Grundlagen: Die Hochhaus-Richtlinien

Die baulichen Anforderungen an Hochhäuser in Deutschland wurden bereits 1982 durch die Muster-Hochhaus-Richtlinie (MHHR) festgelegt, deren Umsetzung in den Bundesländern allerdings nicht einheitlich ist. In den meisten Bundesländern wurde die MHHR auf dem Verordnungs- beziehungsweise Erlasswege bauaufsichtlich eingeführt und damit für alle Baubeteiligten bindend. Hessen und Bayern besitzen eigene Hochhaus-Richtlinien basierend auf der MHHR. Nordrhein-Westfalen hat die MHHR mit Detailabweichungen in die Sonderbauverordnung integriert.

Vor der Umsetzung von Hochhaus-Projekten sind deshalb die jeweils gültigen Landesbauordnungen zu prüfen. Die baurechtlichen Regelungen für Hochhäuser gelten ausnahmslos für Neubauten und bei Umbauten, die eine Neubewertung des Brandschutzkonzeptes erfordern. Zur Gefahrenabwehr können die Baubehörden allerdings auch im Bestand besondere Maßnahmen fordern. Eigentümer und Betreiber sollten zusätzlich zur öffentlich-rechtlichen Bewertung mögliche Haftungsrisiken bedenken. Bei der Klärung von Schadensfällen legen Zivilgerichte in der Regel andere Maßstäbe bei der Beurteilung des erforderlichen vorbeugenden Brandschutzes an.

Grafik: Mehrkriterienmelder Bildquelle: © Ei Electronics

Der 230-V-Mehrfachsensorwarnmelder »Ei2110e« von Ei Electronics wurde mit sämtlichen Testfeuern der DIN EN 14604 und der BS EN 5446-2 getestet.

 

Ohne BMA sind 230-V-Rauchwarnmelder Pflicht

In Bayern sind in den Wohneinheiten auch batteriebetriebene Einzelrauchwarnmelder zugelassen. In den Erläuterungen zur bayerischen Hochhaus-Richtlinie wird allerdings eine Netzstromversorgung der Rauchwarnmelder als sinnvoll erachtet.

Für Hochhäuser in Zellenbauweise mit einer Höhe unter 60 m und einer Grundfläche der Nutzungseinheiten unter 200 m² sehen die Hochhausrichtlinien Erleichterungen vor: So kann unter bestimmten baulichen Voraussetzungen auf automatische Feuerlösch-, Brandmelde- und Alarmierungsanlagen verzichtet werden. Zwingen vorausgesetzt wird allerdings die Früherkennung eines Brandes in den Nutzungseinheiten durch Rauchwarnmelder mit Netzstromversorgung.

230-V-Rauchwarnmelder müssen über eine ausfallsichere, vor Manipulationen geschützte Stromversorgung verfügen, die bei Stromausfall durch Notstrombatterien im Melder aufrechterhalten wird. Hochwertige Modelle besitzen wiederaufladbare 10-Jahres-Lithiumzellen. Im Gegensatz zu Brandmeldern verfügen Rauchwarnmelder prinzipbedingt über einen Signaltongeber und je nach Hersteller über zusätzliche Absicherungen gegen Manipulation und Vandalismus.

Für den Einsatz in besonderen Situationen, beispielsweise beim Auftreten von Täuschungsgrößen wie Wasserdampf, stehen weitere kabelgebundene Meldertypen wie Wärme- und Mehrkriterien-Warnmelder zur Verfügung.

Drei funkvernetzte Rauchmelder. Bildquelle: © Ei Electronics

Warnmelder mit Netzstromversorgung sorgen für eine zuverlässige Brandfrüherkennung und Alarmierung in Wohneinheiten von Hochhäusern.