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DALI-2: Fit für die Zukunft

DALI ist als digitaler, herstellerunabhängiger Schnittstellenstandard für die Steuerung von Betriebsgeräten seit Jahren etabliert. DALI-2 steht für die Weiterentwicklung des Standards: Der neue Standard überzeugt mit einem erweiterten Funktionsumfang und einer klar definierten Zertifizierung.

Mordern beleuchteter Meetingraum. Bildquelle: © Pixabay

Verbesserte Interoperabilität durch DALI-2: Alle zertifizierten Produkte durchlaufen standardisierte Testroutinen.

DALI (Digital Addressable Lighting Interface) ist ein herstellerunabhängiger Schnittstellenstandard für die digitale Lichtsteuerung. Er definiert die bidirektionale Kommunikation zwischen Steuergeräten und bis zu 64 einzeln adressierbaren elektronischen Bus-Teilnehmern. So lassen sich skalierbare Beleuchtungssysteme für einzelne oder mehrere Räume sowie für ganze Etagen konfigurieren.

Installationsbasis ist eine Zweidrahtleitung, die zusammen mit der normalen, traditionellen Elektroverkabelung verpolungssicher in fast allen Topologien (keine ringförmige) verlegt werden kann. So lassen sich z.B. bei einem fünfadrigen Kabel die zwei nicht verwendeten Adern für die DALI-Steuerung (16 V) nutzen.

Die Konfiguration der Beleuchtung und eventuelle spätere Anpassungen – beispielsweise bei veränderter Raumnutzung – erfolgen über die DALI-Schnittstelle. Dazu müssen weder Leuchten geöffnet noch die bestehende Elektroinstallation verändert werden. Über die Schnittstelle lassen sich Betriebsgeräte programmieren sowie verschiedene Funktionen konfigurieren. Dazu gehören das Schalten und Dimmen von Leuchten/Leuchtengruppen sowie der Test und die Überwachung von Notbeleuchtungssystemen. Integrierte Status- und Fehlerrückmeldungen erlauben es, einzelne Leuchten zentral zu überwachen und bei Bedarf eine Wartung zu veranlassen.

 

Logo DALI-2 Bildquelle: © DiiA

Die Digital Illumination Interface Alliance (DiiA) verwaltet den DALI-2-Zertifizierungsprozess.

DALI-2 verbessert die Interoperabilität

Auch in der Ursprungsversion arbeitet die DALI-Architektur herstellerunabhängig. Die Zertifizierung erfolgte jedoch nicht von zentraler Stelle, sondern beim jeweiligen Hersteller durch Selbstdeklaration. Das führte in der Vergangenheit dazu, dass die Komponenten unterschiedlicher Hersteller zwar prinzipiell zusammenarbeiteten, jedoch sowohl softwareseitig als auch bei den technischen Spezifikationen Unterschiede aufwiesen. Für die herstellerunabhängige Interoperabilität und für die Inbetriebnahme sowie die Wartung von Lichtanlagen konnte das problematisch sein.

Die Zertifizierung für DALI-2-Produkte steht dagegen unter Federführung der Digital Illumination Interface Alliance (DiiA). Die DiiA ist ein offenes, globales Konsortium von Lichtfirmen (Stand August 2017: 76 Firmen), das es sich zum Ziel gesetzt hat, das Wachstum von digitalen Lichtsteuerungslösungen auf IEC-62386-Basis zu beschleunigen. Alle Hersteller, die ihre Produkte mit dem DALI-2-Zertifizierungszeichen kennzeichnen wollen, müssen einheitliche, standardisierte Testroutinen absolvieren und Mitglied bei der DiiA sein. Das gewährleistet eine bessere Interoperabilität. Auch Tridonic ist Mitglied der DiiA und hat bereits nach
DALI-2-Standard zertifiziert. Zukünftig werden neue Geräte bereits bei der Markteinführung nach DALI-2 zertifiziert sein; das bestehende Portfolio wird schrittweise aktualisiert.

 

DALI und DALI-2 im Vergleich

Die DALI-Norm IEC 62386 definiert die Datenkommunikation, Parametersätze und die Topologie. Schon Edition 1 der IEC-62386-Normenfamilie enthält die möglichen Funktionen der Beleuchtungssteuerung, wie die Farb- und Farbtemperatursteuerung von Leuchten sowie die Überwachung von Einzelbatterie-Notlichtsystemen. Die Kommunikation geht hier jedoch grundsätzlich vom Steuergerät aus.

Edition 2 der IEC 62386 (DALI-2) passt die Struktur der einzelnen Normteile an, um auch zukünftige Normvorhaben flexibel zu gestalten. Sie trennt eindeutig zwischen den elektrischen und den funktionalen Anforderungen an die Betriebsgeräte. Teil 101 der Norm beschreibt Anforderungen an die elektrischen Parameter, zum Beispiel Spannung und Flanken-steilheit. Teil 102 definiert Betriebsgeräte-Parameter, wie die Anzahl der adressierbaren Betriebsgeräte, die Art der Lichtszenen und die Zuordnung der Leuchten zu den einzelnen Leuchtengruppen, die jedes DALI-kompatible Betriebsgerät unterstützen muss. Die Normteile 201 bis 209 beschreiben jeweils den entsprechenden Gerätetyp (siehe Tabelle).

 

Normteil Bezeichnung Gerätetyp
201LeuchtstofflampenGerätetyp 0
202NotbeleuchtungGerätetyp 1
203HID-LampenGerätetyp 2
204Niedervolt-HalogenlampenGerätetyp 3
205Dimmen von AllgebrauchslampenGerätetyp 4
206Umwandlung von digitalen Signalen in GleichspannungssignaleGerätetyp 5
207LED-ModuleGerätetyp 6
208SchaltfunktionGerätetyp 7
209Farb-/FarbtemperatursteuerungGerätetyp 8
Tabelle der Normteile 201 bis 209 der Edition 2 der IEC 62386 im Überblick.

 

Neu: IEC 62386, Teil 103

Aufgrund der wachsenden Anforderungen an die Lichtsteuerung, der zunehmenden Integration von Sensoren und durch immer mehr Funktionen wurde die DALI-Norm IEC 62386 um den Teil 103 – Steuergeräte – erweitert. Unterschieden werden dabei Sensoren und Application Controller. Während Sensoren wie Präsenzmelder oder andere Eingabegeräte Informationen an das System liefern, verarbeiten die Application Controller die Sensorinformationen und steuern die Leuchtenbetriebsgeräte an. Beide Komponenten können auch gemeinsam in einem Gerät untergebracht werden.

Application Controller lassen sich als Single-Master oder als Multi-Master betreiben. Die Möglichkeit, bis zu 64 solcher Steuergeräte sowie 64 Betriebsgeräte pro DALI-Linie einzusetzen, macht Anwendungen sehr flexibel. Sensoren können von sich aus mit einem Master/Steuergerät, mit Leuchtenbetriebsgeräten oder auch mit anderen Sensorsteuergeräten über ein 24-bit-Telegramm kommunizieren.

Bisher war die bidirektionale Kommunikation von Steuergeräten wie Tastern, Schaltern, Präsenzmeldern oder Umgebungslichtsensoren nicht standardisiert. Das erschwerte einen herstellerübergreifenden Einsatz in der gleichen DALI-Linie. Die Standardisierung der Kommunikation von Steuergeräten erlaubt es nun, auch Geräte unterschiedlicher Hersteller mit verschiedenem Funktionsumfang in einer Linie einzusetzen.


Ereignisgesteuerte Aktionen

Steuergeräte empfangen im Gegensatz zu Betriebsgeräten Gruppen- und Adressinformation nicht nur, sondern senden sie auch. Damit sind ereignisgesteuerte Aktionen und logische Verknüpfungen möglich. Ebenso lassen sich die Steuergeräte bei Bedarf gegen andere austauschen – etwa ein Schalter gegen einen Präsenzmelder. Die neuen Geräte müssen lediglich neu konfiguriert werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Sensoren und Bediengeräte aufgrund ihrer relativ geringen Energieaufnahme direkt aus der DALI-Leitung versorgt werden können und keine Zusatzversorgungen benötigen.

Herstellerspezifische Zusatzfunktionen können im »Operating Mode« einheitlich ein- und ausgeschaltet werden. Auf diese Weise ist ein reibungsloser Betrieb der Standardfunktionen gewährleistet, unabhängig davon, von welchem Hersteller das Gerät stammt. Darüber hinaus werden bestehende Funktionen erweitert und beispielsweise differenziertere Fade-Zeiten – die Übergangszeiten zwischen Lichtniveaus – eingeführt.

 

Porträtfoto: Jens Herter, Coordinator Alliances & Funding,Tridonic Bildquelle: © Tridonic

Jens Herter ist Coordinator Alliances & Fundin bei Tridonic.

Zukunftssicher

Zu bestehenden DALI-Systemen bleibt das weiterentwickelte Schnittstellenprotokoll abwärtskompatibel, bietet aber die Chance, neue Funktionen in die Beleuchtungssteuerung zu integrieren: beispielsweise die Überwachung von Notlichtsystemen, die an Zentralbatteriesysteme angeschlossen sind oder auch die Überwachung der Energieaufnahme in Verbindung mit einem Spitzenlastmanagement.

Die Integration weiterer Sensortypen wie z.B. von Temperaturfühlern ist geplant. Über Gateways kann das Lichtsteuerungssystem auch in übergeordnete Gebäudemanagementsysteme und in das Internet der Dinge (IoT) integriert werden. Auf diese Weise bleibt DALI ein zukunftssicheres System und bietet Komfort bei überschaubarem Aufwand.