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Exklusivinterview: »Elektrogeräte effizient verwerten«

Zum 15. August hat sich das »Elektrogesetz« – kurz ElektroG – verändert. Wir haben mit Christian Brehm, Direktor für nachhaltiges Marketing und Vertrieb bei Lightcycle, über die Anpassungen gesprochen.

Porträtfoto: Christian Brehm, Direktor für nachhaltiges Marketing und Vertrieb bei Lightcycle Bildquelle: © Lightcycle, lightcycle.de

Christian Brehm ist Direktor für nachhaltiges Marketing und Vertrieb bei Lightcycle.

Herr Brehm, das ElektroG ist bereits seit 2005 in Kraft. Können Sie bitte kurz zusammenfassen, um was es dabei geht?
Das ElektroG dient dem Schutz von Umwelt und Gesundheit und soll dabei helfen, die natürlichen Ressourcen zu schonen. Das heißt, dass Elektrogeräte beziehungsweise deren Bestandteile durch Wiederverwendung sowie Recycling in den Kreislauf zurückgelangen und wieder für Neugeräte verwendet werden können. Wesentliche Voraussetzungen dafür sind, dass einerseits Abfälle vermieden und andererseits Elektro-Altgeräte effizient verwertet werden.

Dazu müssen sie separat gesammelt und vom »Letztbesitzer« richtig entsorgt werden. Grundsätzlich verpflichtet das ElektroG Hersteller und Importeure also dazu, Verantwortung für den gesamten Lebenszyklus eines Produktes zu übernehmen – inklusive der Entsorgung.

Neben Herstellern und Importeuren wird auch häufig von »Inverkehrbringern« gesprochen. Um wen handelt es sich dabei?
Ein Inverkehrbringer ist derjenige, der ein Produkt erstmalig in Deutschland an einen deutschen Endverbraucher oder einen Zwischenhändler verkauft. Im Normalfall ist das der Hersteller oder der Importeur mit Sitz in Deutschland, aber auch ein Händler kann zum Inverkehrbringer werden.

Kann auch ein E-Handwerker zum Inverkehrbringer im Sinne des ElektroG werden?
Ja, und zwar dann, wenn ein Elektroinstallateur Ware aus dem Ausland bezieht. In diesem Fall ist er der erste in Deutschland, der ein Produkt an den Endverbraucher oder weitere Zwischenhändler vertreibt. In diesem Fall wird auch er zum Inverkehrbringer.

Was gilt es in diesem Fall zu beachten?
Der Gesetzgeber verlangt grundsätzlich, dass alle Inverkehrbringer sich bei der »stiftung elektro-altgeräte register« – kurz stiftung ear – in Fürth registrieren. Dort müssen sie dann monatlich melden, in welchem Umfang sie ihre Produkte entsprechend den verschiedenen Gerätekategorien beziehungsweise Gerätearten in Verkehr bringen. Ermittelt wird der Umfang dabei über das Gewicht.

 

Das ElektroG
Das »Gesetz über das Inverkehrbringen, die Rücknahme und die umweltverträgliche Entsorgung von Elektro- und Elektronikgeräten« (ElektroG) setzt die europäische WEEE-Richtlinie seit 2005 in deutsches Recht um. Dabei soll es nicht nur die Gesundheit und Umwelt vor schädlichen Substanzen aus Elektro- und Elektronikgeräten schützen, sondern außerdem die Abfallmengen durch Wiederverwendung oder Verwertung (Recycling) verringern.

 

 

Sind Handwerksbetriebe auch vom ElektroG betroffen, wenn sie nicht als Inverkehrbringer auftreten?
Was ich eben angesprochen habe, sind die Regelungen für Inverkehrbringer. Das ist die eine Seite der Medaille. Darüber hinaus kennt der Gesetzgeber noch den Händler oder Vertreiber. Das trifft für Elektrohandwerksbetriebe zu, die nicht aus dem Ausland beziehen. In diesem Fall kennt das Gesetz Beschränkungen: So sind nur Vertreiber oder Händler mit einer Verkaufsfläche, die größer als 400 m2 ist, zur Rücknahme verpflichtet. Dasselbe gilt für den Onlinehandel, wenn die Lager- oder Versandfläche größer als 400 m2 ist. Erst dann sind die Betriebe zur Rücknahme verpflichtet. Sprich: Händler müssen dann alle Kleingeräte, die kleiner sind als 25 cm, auch ohne Neukauf zurücknehmen; alles was größer ist als 25 cm nur bei einem Neukauf. Sollte die Fläche eines Händlers unter den 400 m2 liegen, dann erlaubt ihm das ElektroG eine »freiwillige Rücknahme«.

Was muss bei der freiwilligen Rücknahme beachtet werden?
Entscheiden sich Elektroinstallateure für die freiwillige Rücknahme, müssen auch sie sich wie die »Großen« an die Regeln halten, die im ElektroG festgeschrieben sind. Dazu gehört unter anderem, dass sie sich bei der stiftung ear registrieren lassen müssen. Das ist zwar nicht so umfangreich wie eine Registrierung als Inverkehrbringer, aber auch bei der freiwilligen Rücknahme ist zum Beispiel eine jährliche Mitteilung über die zurückgenommenen Altgeräte erforderlich.