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Potenziale nutzen, Risiken vermeiden: Blaulichtgefährdung und Chancen durch Human Centric Lighting

Derzeit gibt es in der Gesellschaft einen intensiven Dialog über die Potenziale und Gefahren durch künstliche Beleuchtung. Dabei steht besonders die spektrale Zusammensetzung des Kunstlichts im Fokus.

Human Centric Lighting (HCL) kann für mehr Wohlbefinden und bessere Konzentrationsfähigkeit am Arbeitsplatz sorgen. Bildquelle: © TRILUX

Human Centric Lighting (HCL) kann für mehr Wohlbefinden und bessere Konzentrationsfähigkeit am Arbeitsplatz sorgen.

Die zentralen Fragen: Welche Risiken entstehen durch bestimmte Wellenlängen im Lichtspektrum, insbesondere durch den Blaulicht-Anteil. Und welche Chancen bietet Human Centric Lighting (HCL) in diesem Zusammenhang – speziell mit Blick auf eine verantwortungsvolle Steuerung der spektralen Zusammensetzung. Eine Zusammenfassung und Einordnung der Fakten bringt Klarheit und Sicherheit.

Die Erkenntnis, dass Licht mit hohem Blauanteil das Auge schädigen kann, – der Blue Light Hazard (BLH) – ist in erster Linie vom Sonnenlicht bekannt. Deshalb wurde der vermeintlich schädigende Einfluss von Licht bereits lange vor dem Siegeszug der LED-Technologie in zahlreichen Studien untersucht. Klare wissenschaftliche Erkenntnisse: Die Schädigung der Netzhaut (Makula) hängt vom Spektrum (BLH Wirkungsspektrum), der Intensität und Expositionsdauer ab.

Auf Basis dieser Erkenntnisse wurden von der EU Grenzwerte festgelegt, mit dem Ziel, eine Schädigung durch jedwede Lichtquelle zu verhindern. Anhand der DIN EN 62471 lässt sich das Risiko durch die optische Strahlung sämtlicher Leuchtentypen bewerten. Dabei werden die Leuchten in vier Gruppen eingeteilt – in eine freie Gruppe sowie in die Risikogruppen RG 1 bis 3. Diese eindeutige Kennzeichnung – und die damit verbundenen Vorschriften zum Einsatz – bieten allen Beteiligten die notwendige Transparenz und Sicherheit, um eventuelle Schädigungen zu vermeiden. Zudem hat die europäische Kommission eine Untersuchung in Auftrag gegeben, um die Gesundheitsrisiken durch LED zu untersuchen. Das Komitee kommt zu dem Schluss, dass es keine Evidenz dafür gibt, dass handelsübliches LED-Licht (Leuchten und Displays) eine direkte Schädigung der Augen bei bestimmungsgemäßen Gebrauch verursacht.


Blaulicht im Laborversuch

Professor Dr. Herbert Plischke ist Experte für »Licht und Gesundheit« an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in München. Er hat sich mit aktuellen Studien und der medialen Berichterstattung zum Thema LED und Blaulichtgefährdung beschäftigt. Sein Fazit: Viele der wissenschaftlichen Studien zur Blaulichtschädigung arbeiten mit Lichtstärken und Expositionsdauern, die nicht der beleuchtungstechnischen Realität entsprechen.

In einer Studie, die eine Gefährdung durch LED nahelegte und damit eine hohe mediale Aufmerksamkeit erzeugte, wurden Ratten 24 Stunden lang in einem Käfig von allen Seiten mit einer Lichtstärke von 500 Lux bestrahlt. Und zwar nicht mit einem in der Praxis üblichen breitbandigen Weißlicht-Spektrum, sondern mit monochromatischem Blau – also mit dem höchsten BLH-Wirkungsspektrum. Zudem wurden die Pupillen der Ratten medikamentös erweitert.

»Stellt man überblicksmäßige (aber normgerechte) Berechnungen aus den angegebenen Daten an, kann man vermuten, dass aufgrund fehlerhafter Berechnung die Ratten mit wesentlich höheren Dosen als zulässig bestrahlt wurden. Es ist nicht verwunderlich, dass die Augen der Tiere dadurch Schäden erlitten«, sagt Plischke. Ein Mensch hätte die normativ zulässige Blaulicht-Dosis bei den eingesetzten LED mit RG 2 bereits nach 8,5 Minuten erreicht.

 

Blaulicht in der Praxis

Trilux setzt auf Leuchten mit RG 0 und RG 1 (keine Gefährdung). Nur in seltenen Fällen schon länger bestehender Baureihen werden in Trilux-Leuchten LED-Module der Klassifizierung RG2 eingesetzt, die bei der Wartung der Leuchte einsehbar werden. Diese sind entsprechend gekennzeichnet.

Das Unternehmen geht in Hinblick auf die Blaulicht-Diskussion einen Schritt weiter: »Bei einer zukunftsfähigen Beleuchtungslösung haben die Anwender die Möglichkeit, die spektrale Zusammensetzung der Leuchten in einem vorgegebenen Rahmen individuell zu steuern«, erklärt Dietmar Zembrot, Chief Technology Officer (CTO) Trilux. Damit lassen sich nicht nur »unerwünschte« Effekte minimieren, sondern auch positive Wirkungen erzielen.

»In der richtigen Dosis und zur richtigen Tageszeit ist Blaulicht nicht nur völlig ungefährlich, sondern ein wichtiger Impulsgeber für den Körper«, erklärt Zembrot. Das natürliche Sonnenlicht besitzt einen Blaulicht-Anteil, der sich tageszeitabhängig verändert – und der im Körper verschiedene nicht-visuelle Wirkungen auslöst. Höhere Blauanteile im Licht bewirken tagsüber eine Aktivierung und Stabilisierung des Biorhythmus, während dieselben Wellenlängen während der Nacht den Biorhythmus stören können. Dieses Wissen wird bislang häufig nicht ausreichend bei der Planung einer Beleuchtungslösung berücksichtigt.