Sie sind hier: HomePhotovoltaikModule

ABB: »Mission to Zero« in Lüdenscheid

Nach einer zweijährigen Planungs- und Bauphase stellte ABB im Mai den ersten CO2-neutralen Fertigungsstandort in Deutschland vor. Am Standort Lüdenscheid des Tochterunternehmens Busch-Jaeger zeigte das Unternehmen, wie die Energiewende mit digitalem Energiemanagement gelingen kann.

ABB präsentiert am Standort Lüdenscheid eine hochmoderne CO2-neutrale und energieautarke Fabrik der Zukunft. Bildquelle: © ABB

ABB präsentiert am Standort Lüdenscheid eine hochmoderne CO2-neutrale und energieautarke Fabrik der Zukunft.

Mit seiner »Mission to Zero« treiben ABB und Busch-Jaeger den Ausstieg aus fossilen Energiequellen voran.

Nach zweijähriger Planungs- und Bauphase nahm ABB als sichtbares Zeichen für die »Mission to Zero« ein Solarkraftwerk am Busch-Jaeger-Fertigungsstandort in Lüdenscheid in Betrieb. Die Lösungen von ABB für die effiziente Energienutzung sind ein wesentlicher Baustein der »Mission to Zero«, der sich das Unternehmen verschrieben hat. »Die Photovoltaikanlage ist Teil einer ganzheitlichen Lösung, die alle Aspekte der Energieerzeugung und -verteilung abdeckt und es ermöglicht, hier künftig an Sonnentagen bis zu 100 Prozent des Strombedarfs zu decken«, sagt Hans-Georg Krabbe, Vorstandsvorsitzender von ABB Deutschland. »Mit diesem Vorzeigeprojekt zeigen wir, welche Vorteile entstehen, wenn man ein System schafft, in dem alle Komponenten digital miteinander vernetzt und im Sinne von Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung steuerbar sind.«

Doppelt so effizient wie ein Kohlekraftwerk

Das Werk der ABB-Tochter Busch-Jaeger, ein Hersteller für Gebäudeautomatisierungslösungen, ist die weltweit erste CO2-neutrale und energieautarke Fabrik des ABB-Konzerns. Die 3500 Quadratmeter große, über den Parkplätzen des Firmengeländes installierte Photovoltaikanlage soll pro Jahr rund 1100 MWh an klimaneutralem Sonnenstrom – also etwa den Jahresbedarf von 3360 Privathaushalten – liefern. In Kombination mit einem Blockheizkraftwerk, das mit der doppelten Energieeffizienz eines Kohlekraftwerks arbeitet, können dabei rund 14 Prozent mehr Energie erzeugt werden, als am Standort benötigt wird. Die überschüssige Produktion wird in das öffentliche Stromnetz eingespeist und trägt damit zur Versorgung der Region mit nachhaltig produzierter Energie bei. Technologisches Herzstück des Gesamtsystems in Lüdenscheid ist das skalierbare Energiemanagementsystem Optimax aus der ABB AbilityTM Energy Management Suite (EMS). Die digitale Lösung stellt die laufende Überwachung und optimale Steuerung der Energieerzeugung, des Verbrauchs und der Speicherung sicher und arbeitet weitgehend autonom. Das lernende System berechnet dabei auf Basis von Vorhersagedaten den optimalen Energiefluss und gleicht Abweichungen in Echtzeit aus. Neben dem Energiemanagementsystem und der Photovoltaikanlage mit Wechselrichtern vereint das Gesamtsystem weitere Technologien von ABB, die digital miteinander vernetzt sind. Für die Energiespeicherung zeichnet beispielsweise ein Batteriespeicher BESS (Battery Engine Storage System) mit einer Leistung von 200 kW und einer Kapazität von 275 kWh verantwortlich. Darüber hinaus sorgen Ladestationen von ABB, an denen Mitarbeiter und Besucher ihre Elektrofahrzeuge kostenfrei aufladen können, für eine zusätzliche Verbesserung der regionalen Ökobilanz. Intelligente Schaltanlagen für die Energieverteilung runden das Energiemanagement aus einer Hand ab.

Mit sehr großem Interesse verfolgten die Besucher aus den USA die detaillierten Ausführungen von Adalbert M. Neumann, Geschäftsführer der Busch-Jaeger Elektro GmbH, zum Projekt »Mission to Zero«, dem weltweit ersten nahezu klimaneutralen Produktionss Bildquelle: © ABB

Mit sehr großem Interesse verfolgten die Besucher aus den USA die detaillierten Ausführungen von Adalbert M. Neumann, Geschäftsführer der Busch-Jaeger Elektro GmbH, zum Projekt »Mission to Zero«, dem weltweit ersten nahezu klimaneutralen Produktionsstandort.

Zur Abdeckung von Bedarfsspitzen wird zusätzliche grüne Energie von der MVV Energie AG bezogen, was eine 100-prozentige CO2-neutrale Produktion gewährleistet. MVV und ABB haben im April ihre Zusammenarbeit ausgeweitet und offiziell eine Partnerschaftsvereinbarung unterzeichnet. Dabei stehen gemeinsame Lösungen zur nachhaltigen Verbesserung der Energieeffizienz von Industrie, Mittelstand und Kommunen auf dem Weg zur Smart City im Vordergrund. Bei der Kooperation der beiden Unternehmen geht es auf der einen Seite um die Vermeidung von CO2-Emissionen und die wirtschaftliche Vermarktung von verfügbaren Flexibilitäten im Energiebereich, auf der anderen Seite um die Gestaltung der Städte der Zukunft durch innovative Technologien, etwa um Speicherlösungen und die Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge. 

Reges Interesse aus Übersee

Der Fertigungsstandort wird jährlich etwa 630 Tonnen CO2 einsparen und damit einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Klima- und Umweltsituation leisten. »Die stärkste Kraft, um unsere Welt zukunftsfähig zu machen, sind bahnbrechende grüne Technologien«, so Nico Rosberg, der sich nach seiner Formel 1-Karriere heute in der rein elektrischen ABB FIA Formel E-Meisterschaft engagiert und mit auf den symbolischen Startknopf für die Inbetriebnahme der beeindruckenden Anlage drückte. »Die ABB-Lösungen in Lüdenscheid zeigen beispielhaft, wie sich die typischen Anforderungen eines kompletten Industriestandorts auf ressourcenschonende Weise erfüllen lassen«, meinte er. 

Nicht nur in Europa stieß das Thema auf reges Interesse, auch Besucher aus den USA zeigen sich begeistert: Im Rahmen des Transatlantikprogramms der Bundesrepublik Deutschland besuchte im Juli eine 24-köpfige Gruppe von Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft des US-Bundesstaates Minnesota unter der Leitung von Vizegouverneurin Peggy Flannagan und Wirtschaftsminister Steve Kelley den Busch-Jaeger-Standort in Lüdenscheid, begleitet von zahlreichen Repräsentanten aus Politik, Energiewirtschaft, Institutionen und Unternehmen. Vorbereitet und organisiert worden war der internationale Austausch durch den Fachdienst Umweltschutz und Freiraum der Stadt Lüdenscheid.

Begrüßt wurde die US-Delegation am Freisenberg durch Adalbert M. Neumann, Geschäftsführer der Busch-Jaeger Elektro GmbH, und Michael Janzen, Mitglied der Geschäftsleitung, die auch die technologischen Highlights der beeindruckenden Installation erläuterten. Die Fachleute aus den USA zeigten sich sehr interessiert und kenntnisreich und ließen sich zahlreiche Details des ambitionierten Projektes erklären. 
Seit Mai 2016 läuft im Rahmen des Transatlantikprogramms der Bundesrepublik Deutschland ein internationales Austauschprojekt zum Thema Klimaschutz. An diesem Projekt sind zahlreiche kommunale Partner beteiligt. Sechs Städte in Minnesota und ihre NRW-Partnerstädte Münster, Siegen, Iserlohn, Saerbeck, Arnsberg und Lüdenscheid wollen durch diesen energiepolitischen Dialog auf internationaler Ebene Erfahrungen sammeln, wie Klimaschutz vor Ort und mit positiven Wirtschaftseffekten betrieben werden kann.