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Exklusivinterview: »Smart Home ist die einzige Chance«

Der Elektromeister Volker Lorentzen hat sich sehr früh mit dem Thema Smart Home auseinandergesetzt und erntet jetzt die Früchte seiner Arbeit. Wie es dazu kam, worauf es beim Thema Smart Home ankommt und warum es so wichtig für die Zukunft des Elektrohandwerks ist, erklärt er im folgenden Interview.

Volker Lorentzen ist Geschäftsführer und Eigentümer von Elektro Lorentzen. Bildquelle: © Elektro Lorentzen

Volker Lorentzen ist Geschäftsführer und Eigentümer von Elektro Lorentzen.

Herr Lorentzen, wie kam es, dass Sie sich so intensiv mit dem Thema Gebäudeautomation beschäftigt haben?
Grundsätzlich sehe ich technische Entwicklungen und Trends schon immer sehr aufgeschlossen. Und dann habe ich noch einen Wahlspruch von Norman Augustin, der lautet: »Die Welt besteht aus denen, die etwas in Gang setzen, denen, die zusehen, wie etwas geschieht und denen, die dann fragen, was geschehen ist.« Und ich zähle mich eher zu denen, die etwas in Gang setzen.

Richtig los ging es aber erst, als ein kirchlicher Auftrag im Raum stand.
Das stimmt. 2011 sollte die evangelische Kirche in Bergenhusen mit einer neuen Lichtanlage versehen werden, und der Pfarrer Martin Baltzer wollte unbedingt verschiedene Lichtszenarien einstellen können. Das große Problem dabei war, dass die Kirche unter Denkmalschutz steht und somit keine baulichen Veränderungen an den Wänden und an der Decke erlaubt waren. Sprich, wir konnten nicht einfach Schlitze klopfen und neue Leitungen verlegen.

Was haben Sie stattdessen gemacht?
Zufälligerweise bin ich kurz vorher auf einer Messe über eine Firma namens Aizo gestolpert, die intelligente Klemmen im Angebot hatte, die über die Stromleitung kommunizierten. Später wurde aus Aizo übrigens digitalStrom. Mit diesen Klemmen haben wir eine Zeit lang experimentiert und sie dann für die Lichtsteuerung in der Kirche verwendet. Die Firma digitalStrom hat uns bei der Umsetzung sehr unterstützt, und letztendlich waren alle außerordentlich zufrieden mit der neuen Lichtsteuerung.

Seitdem gelten Sie als Smart-Home-Spezialist, oder?
Wir haben mit den Jahren sehr viel Know-how aufgebaut und das hat sich mittlerweile herumgesprochen, weshalb wir sehr viele Anfragen bekommen. Manchmal verweisen auch andere Elektro-Betriebe ihre Kunden an uns. Über mangelnde Aufträge können wir uns nicht beschweren, im Gegenteil, wir sind heute in der Lage, uns die interessantesten Aufträge aussuchen zu können.

Deshalb lautet Ihre Empfehlung an andere Handwerksbetriebe, sich ebenfalls mit dem Thema Gebäudeautomation auseinanderzusetzen und sich entsprechend weiterzubilden.
Ganz genau, denn dem Thema gehört die Zukunft. Alle Umfragen zeigen, dass das Interesse am smarten Haus sehr hoch ist, gleichzeitig besteht eine hohe Investitionsbereitschaft in den Bereichen Sicherheit, Energiesparen und Entertainment. Doch Vorsicht, der Kunde interessiert sich nicht für die Technologie dahinter, sondern nur für den Nutzen, der dadurch entsteht. Unsere Aufgabe ist es deshalb, auf die Kundenwünsche einzugehen und ihn kompetent zu beraten. Dazu ist natürlich sehr viel Know-how notwendig, das man sich aneignen muss.

Was interessiert den Kunden aus Ihrer Erfahrung noch?
Fragen, die immer wieder auftauchen, sind: Wie zukunftssicher ist meine Lösung? Kann mein System erweitert werden? Ist das System sicher und gegen Hackerangriffe geschützt? Kommt jemand auch nach der Installation und hilft, falls es nötig ist? Grundsätzlich sollen die intelligenten Funktionen den Anwender entlasten und keine neue »Baustelle« darstellen.

Wie sieht ein typischer Kunde bei Ihnen aus?
Wir haben Kunden aus allen Bereichen: Architekten, Planer, Fertighaushersteller, Wohnungsbaugesellschaften, Handwerkskollegen etc. Wenn ich jedoch einen typischen Kunden beschreiben müsste, dann ist es ein Bauherrn-Ehepaar, Mitte 30, das entweder eine Neuimmobile plant oder eine Bestandsimmobilie saniert. Die müssen sehr viele Dinge entscheiden, die nicht immer zu deren Kernkompetenzen gehören. Dadurch sind sie teilweise überfordert und benötigen kompetente und seriöse Beratung. Dafür steht das Elektrohandwerk.

Apropos seriöse Beratung. Was halten Sie von den Smart-Home-Lösungen und -Produkten, wie sie im Baumarkt zur Selbstinstallation angeboten werden?
Das hat nichts mit unserem Geschäft zu tun, weshalb wir solche Lösungen weder anbieten noch verbauen. So viel Geld kann uns keiner bieten, dass wir das anfassen. Damit hat man nur Ärger. Wir setzen ausschließlich auf professionelle Lösungen wie KNX, LCN, digitalStrom etc. Wenn ein Kunde meint, mit etwas anderem glücklich zu werden, gerne, aber ohne uns. Qualität ist für uns bei den Produkten wie auch bei der Ausführung extrem wichtig, und davon weiche ich nicht ab.

Woran erkennt der Kunde ein gutes Handwerksunternehmen, das sich beim Thema Smart Home auskennt?
Das kann man mit ein paar Fragen durchaus herausfinden. Wie lange hat die Firma schon Erfahrung mit dem Thema? Wie gut kennt sich der Berater mit den verschiedenen Produkten und Funktionen aus? Hat das Unternehmen einen Showroom, in dem die Funktionen vorgeführt werden können? Und natürlich nach erfolgreich umgesetzten Projekten fragen. Gegebenenfalls kann man dort beim Bauherren nachforschen, ob es Probleme gab und wie zufrieden dieser war.

Wie läuft eine Beratung normalerweise ab?
Als Erstes gilt es, den Kenntnisstand des Bauherren herauszufinden, dann, welche smarten Funktionen ihm wichtig sind. Geht es um Komfort, Sicherheit oder Energieeffizienz? Geklärt werden muss auch, ob es Besonderheiten beim Bauvorhaben gibt und wie hoch das Budget ist. Bauherren geben oft ein Vermögen für das Badezimmer aus, bei der Elektrik sind sie eher knauserig. Anschließend erarbeiten wir einen Lösungsweg, bei dem wir noch verschiedene Faktoren berücksichtigen wie den Energieversorger, ob Hausgeräte vernetzt werden sollen usw.

Besteht der Lösungsweg immer aus einem geschlossenen System oder werden verschiedene Lösungen und Technologien miteinander verknüpft?
Das kommt ganz auf die Gegebenheiten an. Am leichtesten ist es bei einem Neubau, dort können wir meist problemlos Kabel oder Kabelkanäle verlegen und auch bereits Funktionen berücksichtigen, die vielleicht erst später gewünscht werden. Natürlich muss auch hier die Lösung aus einem in sich geschlossenen System bestehen, aber wenn weitere Komponenten später hinzukommen sollen, muss entsprechend gehandelt bzw. installiert werden. Beim Bestandsgebäude kommt es darauf an, ob es um eine Renovierung geht, oder ein fertiges Wohngebäude mit smarten Funktionen ausgestattet werden soll. Hier empfehlen sich verschiedene Lösungen aus stromleitungsgeführten oder funkbasierten Systemen.

Wie geht es nach der Beratung weiter?
Zuerst einmal wird ein Pflichtenheft erstellt, in dem der Leistungsumfang beschrieben ist. Dieses wird mit dem Bauherren nochmal durchgesprochen und auch während der Installation permanent abgeglichen. Nach einer perfekten und vorschriftsmäßigen Installation erfolgt die Übergabe mit umfassender Dokumentation.

Was sind für Sie die entscheidenden Punkte, damit ein Projekt erfolgreich abgeschlossen werden kann?
Keine Experimente und keine Bastelei, immer auf etablierte Standards setzen und auf Qualitätshersteller, dann ist man auf der sicheren Seite. Und natürlich eine saubere Dokumentation von Anfang an. Die ist sehr wichtig, speziell auch für den After Sales, beziehungsweise wenn die Anlage später erweitert werden soll. Ganz wichtig sind auch erfahrene Mitarbeiter, die das entsprechende Know-how haben. Ohne sie geht es nicht.

Hier kommen wir zu einem neuralgischen Punkt. Mitarbeiter zu finden und auch zu behalten ist zurzeit nicht einfach.
Ja, das habe ich kürzlich erst wieder erfahren müssen, als einer meiner Mitarbeiter von einem Industrieunternehmen abgeworben wurde. Die finanziellen Bedingungen sind in der Industrie meist besser. Hier mitzuhalten ist für uns schwierig, ohne das Gehaltsgefüge zu zerstören. Deshalb müssen wir mit anderen Dingen punkten. Dazu gehören beispielsweise interessante Projekte und Aufgaben, wie sie das Smart-Home-Thema mit sich bringt. Aber auch sonst muss man sich immer wieder etwas einfallen lassen, um für die Mitarbeiter ein attraktiver Arbeitgeber zu sein.

Über die gute Auftragslage haben wir ja schon gesprochen, warum sollten sich Handwerksbetriebe trotzdem und gerade jetzt zum Smart-Home-Spezialisten weiterentwickeln?
Es geht nicht um jetzt und hier, es geht um die Zukunft, und Smart Home ist die Zukunft. Ich gehe sogar so weit zu sagen, Smart Home ist die einzige Chance für die Elektrohandwerker und Informationstechniker in dieser innovativen Zeit!

Herr Lorentzen, vielen Dank für das Gespräch.

 

Das Interview führte elektrobörse smarthouse Chefredakteur Peter Wintermayr.