Eine Frage des Alters: Schutz durch Überspannungsableiter

Typ-2-Überspannungsableitern wird beim Blitzschutz oft nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt. Erreichen die Geräte das Ende ihrer Lebensdauer, können die Folgen für Anlagen und Installationen gravierend sein. Daher sollte man die maximale Lebensdauer stets im Blick behalten.

Sanduhr Bildquelle: © Min C. Chiu/Shutterstock.com

Ein Blitz kann eine Anlage oder ein Niederspannungsnetz aus heiterem Himmel treffen. Weniger heiter sind die Folgen eines solchen Ereignisses. Blitzeinschläge verursachen in Industrieanlagen und privaten Haushalten hohe Störspannungen. Durch das Leitungsnetz (Versorgungsleitungen und Elektroinstallation) werden diese Überspannungen übertragen und können zu empfindlichen Endgeräten gelangen, die hierdurch geschädigt oder zerstört werden können.

Beim Aufbau eines Potenzialausgleichssystems für eine Blitzschutzanlage werden deshalb die äußere Blitzschutzanlage und das Erdungssystem mit viel Aufwand dimensioniert. Auch in die Auswahl der Typ-1-Überspannungsableiter für die Hauptverteilung werden in der Regel viel Zeit investiert, technische Parameter bestimmt und Geräte verschiedener Hersteller verglichen.

Den darauf folgenden Schutzstufen wird dagegen meist weniger Aufmerksamkeit geschenkt. Das betrifft vor allem Typ-2-Überspannungsableiter, die in den Unterverteilungen installiert sind. In der Regel werden Standardgeräte verwendet. Betrachtet man aber ihre Eigenschaften und technischen Daten genauer, verdienen die Typ-2-Überspannungsableiter mehr Aufmerksamkeit, als dies heute der Fall ist.

 

Standard-Auswahlparameter

Maßgeblich für die Auswahl von Typ-2-Überspannungsableitern ist in Deutschland die DIN VDE 0100-534 (VDE 0100-534). Darin werden verschiedene Kriterien für die Auswahl von Überspannungsableitern genannt. Dazu zählen der Schutzpegel Up, die dauernde Betriebsspannung Uc, die Festigkeit gegen zeitweilige (temporäre) Überspannungen, der Nennableitstoßstrom In und Blitzstoßstrom Iimp sowie der zu erwartende Kurzschlussstrom und das Folgestromlöschvermögen.

Weitere wichtige Auswahlkriterien sind zudem Eigenschaften, die die Installation der Überspannungsableiter betreffen. Dies sind unter anderem die Abmessungen und hier vor allem die Einbaubreite, die Anschlusskontakte, der Fernmeldekontakt und die maximale Vorsicherung.

 

Fehlender Überspannungsschutz mit gravierenden Folgen

Kaum beachtet wird hingegen die zu erwartende Lebensdauer der Überspannungsableiter. Gerade sie muss aber aufmerksam betrachtet werden. Was kann passieren, wenn ein Überspannungsschutzgerät an seinem Lebensdauerende angekommen ist? Im »besten« Fall trennt sich das Gerät vom Netz ab. Es ist dann kein Schutz gegen Überspannungen mehr für die Anlage vorhanden.

Was kann passieren, wenn es keinen Schutz gegen Überspannungen mehr gibt? Ist die Anlage nicht mehr geschützt, können sowohl die Installation als auch die Endgeräte Schaden nehmen. Dabei ist nicht nur an die direkten Schäden wie zerstörte oder beschädigte Installationen, zerstörte Endgeräte wie PC und Fernseher im privaten Bereich sowie Server oder Steuerschränke im industriellen Bereich zu denken. Auch die indirekten Schäden durch Überspannungen können schwer wiegen. Dazu zählen der Ausfall der Produktion und verlorene Kundendaten ebenso wie ein abgetautes Kühlhaus oder verlorene Daten und Bilder. Die Folgekosten beziehungsweise indirekten Kosten können die direkten Kosten bei Weitem übersteigen.

Fällt eine Anlagenhauptsicherung wegen eines defekten Überspannungsschutzgeräts aus, sind die Folgen schwerwiegend. Denn dann stehen alle elektrischen Anlagen still, was mit hohen Ausfall- und Folgekosten verbunden ist. Beispielhafte Fälle in der Serienproduktion, zum Beispiel in der Automobilindustrie, in der chemischen Industrie und bei Hochöfen, belegen dies.

Diesen hohen Kosten infolge eines defekten Überspannungsschutzgeräts und ungeeigneter Vorsicherung stehen meist geringe Kosten für den Austausch der defekten Geräte gegenüber. Sie bestehen aus den Kosten für die Anfahrt eines Servicetechnikers oder Elektroinstallateurs, dem geplanten, kurzzeitigen Abschalten der Anlage und dem Austausch der Komponenten. Unterm Strich übersteigen im industriellen Bereich die Kosten für den Stillstand der Anlagen die Kosten für den Austausch oft um ein Vielfaches.